Der Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts.
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übertriebenen Berichten als ein Geschöpf von fast völlig mensch-licher Gestalt. Allenthalben wird die Folgerung gezogen, dass nurdie durch die Sinne vermittelte Bildung den Menschen zum Men-schen macht und ihm das giebt, was wir Seele nennen, währendeine Entwickelung des Geistes von innen heraus gar nicht statt-findet.
"Wie der Verfasser des Briefwechsels vom Wesen der Seele esnicht lassen kann, Melanchthon in sein System hereinzuziehn, so greiftDe la Mettrie auf den Kirchenvater Arnobius zurück, dessen Schriftadversus gentes er eine Hypothese entnimmt, die vielleicht das Urbildzu der Menschen-Statue geworden ist, welche bei Diderot, Buffon undnamentlich bei Condillac ihre Rolle spielt.
Man nehme an, dass in einem schwach beleuchteten Erdgeschoss,von welchem jeder Schall und jeder Sinneseindruck fern gehalten wird,ein neugebornes Kind von einer nackten und immer schweigendenAmme nothdtirftig gepflegt und so ohne irgend eine Kenutniss derWelt und des Menschenlebens grossgezogen werde bis zum Alter vonzwanzig, dreissig oder gar vierzig Jahren. Dann erst soll dieserMensch seine Einsamkeit verlassen. Man frage ihn nun, was er inseiner Einsamkeit gedacht und wie er bis dahin genährt und erzogenworden sei. Er wird nichts antworten; nicht einmal wissen, dass dieau ihn gerichteten Laute etwas zu bedeuten haben. Wo ist nun jenerunsterbliche Theil der Gottheit? Wo ist die Seele, die so gelehrtund aufgeklärt in den Körper eindringt?
Wie Condillac’s Statue, so soll nun dies Wesen, welches vomMenschen nur die Gestalt und die physische Organisation hat, durchden Gebrauch der Sinne Empfindungen erhalten, die sich allmähligordnen, und der Unterricht soll das Uebrige thun, um ihm die Seelezu geben, zu der nur die Anlage in der physischen Organisationschlummert. — Hat auch Cabanis als Schiller Condillacs diese un-natürliche Annahme mit Recht beseitigt, so muss man derselben dochgegenüber der so äusserst schwachen Begründung der CartesischenLehre von den angebornen Ideen eine gewisse Berechtigung ein-räumen.
Zum Schluss stellt De la Mettrie die Sätze auf: „Keine Sinne,keine Ideen.“ „Je weniger Sinne, desto weniger Ideen.“ Wenig Er-ziehung, .wenig Ideen.“ „Keine Sinneseindrücke, keine Ideen.“ — Solangt er ganz allmählig bei seinem Ziele an und schliesst zuletzt:„Also hängt die Seele wesentlich von den Organen des Leibes ab, mit