172
Erstes Buch. Vierter Abschnitt.
welchen sie sich bildet, wächst, abnimmt: „Ergo participem leti quo-que convenit esse.“
Ganz anders geht die Schrift zu Werke, welche es schon imTitel ausspricht, dass der Mensch eine Maschine sei. War dieNaturgeschichte der Seele vorsichtig, fein angelegt, und allmählig mitihren Resultaten überraschend, so wird hier die letzte Consequenz ander Spitze des Werkes ausgesprochen. Liess sich die Naturgeschichteder Seele auf die ganze Aristotelische Metaphysik ein um nur all-mählig zu zeigen, dass dieselbe eine leere Form sei, in die man aucheinen materialistischen Inhalt giessen könne, so ist hier von all jenenfeinen Distinctionen nicht mehr die Rede; im l’unkte der substantiellenFormen polemisirt De la Mettrie gegen sich selber; schwerlich weiler seine Ansicht wesentlich geändert hätte, sondern weil er dadurchseinen Namen, den er möglichst zu verbergen suchte, noch mehr denVerfolgern entziehen zu können hoffte. Nicht selten citirt De la Mettrieseine eignen früheren Werke; die medicinischen mit Nennung desNamens. Auch die Form der beiden Werke unterscheidet sich wesent-lich. Während die Naturgeschichte der Seele eine regelmässige Ein-theilung in Kapitel und Paragraphen befolgt, ergiesst sich der Menschals Maschine in einem ununterbrochenen Strom der Rede.
Mit allem Schmuck rhetorischer Prosa ausgestattet sucht diesesWerk ebenso sehr zu überreden als zu beweisen; es ist mit Bewusst-sein und Absicht geschrieben, um unter den Kreisen der Gebildeteneine leichte Aufnahme und rasche Verbreitung zu finden; ein pole-misches Stück, bestimmt einer Ansicht Bahn zu machen, nicht eineEntdeckung zu beweisen. Bei alledem versäumte De la Mettrie nicht,sich auf eine breite naturwissenschaftliche Basis zu stützen. That-sachen und Hypothesen, Argumonte und Declamationen: Alles ist ver-sammelt, um dem nämlichen Zwecke zu dienen.
Sei es um seinem Werke mehr Eingang zu verschaffen, sei esum sich mehr zu verbergen, gab De la Mettrie demselben eine Wid-mung an Albrecht von Haller bei. Diese Widmung, die Haller des-avouirte, gab Veranlassung, dass auch der persönliche Streit dieserMänner sich in die wissenschaftliche Frage mischte. Dessenungeachtetliess De la Mettrie diese Dedication, die er für ein Meisterstück seinerProsa hielt, auch vor späteren Ausgaben des Werkes wieder abdrucken.Der Inhalt jener Widmung ist eine begeisterte Lobrede des Vergnügensan den Wissenschaften und Künsten.
Das Werk selbst beginnt mit der Erklärung, dass es einem