Der Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts.
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Weisen nicht genügen dürfe, die Natur und die Wahrheit zu er-forschen; er müsse es wagen, sie zu Gunsten der Wenigen, diedenken wollen und können, auch zu verkündigen. Alle Systemeder Philosophen reduciren sich rücksichtlich der menschlichen Seeleauf zwei; das ältere ist der Materialismus, das zweite der Spiritua-lismus. Wenn man fragt, ob die Materie denken könne, so ist dasnicht anders, als wenn man fragt, ob die Materie die Stunden schlagenkönne. Diese Ungeuauigkeit der Lockischen Frage ist also zu ver-meiden.
Leibnitz hat mit seinen Monaden eine unverständliche Hypotheseaufgestellt. „Er hat die Materie spiritualisirt, statt die Seele zu ina-terialisiren.“
Descartes hat denselben Fehler gemacht, und zwei Substanzenaufgestellt, als ob er sie gesehen und gezählt hätte. — Die Klügstenhaben gesagt, dass die Seele sich nur durch das Licht des Glaubenserkennen kann. Wenn sie nun dennoch als vernünftige Wesen sichdas Hecht Vorbehalten, zu prüfen, was die Schrift unter dem WorteGeist versteht, womit sie die Seele bezeichnen, so gerathen sie dabeimit den Theologen in Widerspruch, wie diese mit sich selbst „Dennwenn es einen Gott giebt, so hat derselbe ebensowohl die Natur alsdie Offenbarung geschaffen; er hat uns die eine gegeben, um dieandere zu erklären, und die Vernunft, um sie in Uebereinstimmungzu bringen. Beide können sich nicht widersprechen, wenn Gott nichtein Betrüger sein soll. Giebt es also eine Offenbarung, so darf sieder Natur nicht widersprechen.“ — Als Beispiel einer frivolen Ein-wendung gegen diesen Gedankengang citirt De la Mettrie die Worteeines M. Fluche, der in seinem Spectacle de la nature in Bezug aufLocke bemerkt hatte: „Es ist erstaunlich, dass ein Mensch, der unsreSeele so weit erniedrigt, dass er sie für eine Seele von Koth hält,es wagt die Vernunft als souveräne Kichterin über die Mysterien desGlaubens aufzustellen; denn welch merkwürdige Vorstellung würdeman vom Christenthume haben, wenn mau seiner Vernunft folgenwollte?“ Gegen diese kindische Art der Polemik, die leider auch heut-zutage noch insbesondere von Seiten der Theologen gegen den Ma-terialismus erhoben wird, zieht De la Mettrie mit vollkommenem Rechtzu Felde. Der Werth der Vernunft hängt nicht von dem Worte „Im-materialität“ ab, sondern von ihren Leistungen. Wenn eine Seele vonKoth die Beziehungen und die Reihenfolge einer unermesslichen Zahlvon Ideen im Nu entdecken würde, so wäre sie einer dummen, ein-