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Erstes Buch. Vierter Abschnitt.
faltigen Seele aus den kostbarsten Stoffen offenbar vorzuziehen. Esist unphilosopliisch, mit Plinius über die Jämmerlichkeit unseres Ur-sprunges zu erröthen. Denn eben was gemein scheint, ist hier diekostbarste Sache, auf welche die Natur die grösste Kunst verwendethat. Wenn der Mensch auch noch aus einer viel niedrigeren Quelleentspränge, würde er nichts destoweniger das edelste der Wesen sein.Wenn die Seele rein, edel und erhaben ist, so ist das eine schöneSeele, und sie ehrt den, der mit ihr begabt ist. Was aber die zweiteBemerkung des Herrn Pluche betrifft, so könnte man ebenso gutsagen: „Man darf an Toricelli’s Experiment nicht glauben, denn wennwir den horror vacui verbannten, welche merkwürdige Philosophiewürden wir haben.“ (Dieser Vergleich wäre treffender so zu stellen:Man darf über die Natur nichts nach Experimenten bestimmen, dennwenn man Toricelli’s Experimenten folgen wollte, welche sonderbareIdee würde man vom horror vacui bekommen).
Erfahrung und Beobachtung, sagt De la Mettrie, müssen unsreeinzigen Führer sein; wir finden sie bei den Aerzten, die Philosophengewesen sind; und nicht bei den Philosophen, die keine Aerzte ge-wesen sind. Die Aerzte allein, die die Seele in ihrer Grösse wie inihrem Elend ruhig beobachten, haben hier das liecht zu sprechen.Was sollten uns denn die Andern sagen, und besonders die Theo-logen? Ist es nicht lächerlich zu hören, wie sie ohne Scham übereinen Gegenstand entscheiden, den sie niemals in der Lage waren zuerkennen, von dem sie im Gegentheil beständig durch obscure Studienabgewandt wurden, die sie zu tausend Vorurtheilen geführt haben,und mit einem Worte zum Fanatismus, der zu ihrer Unkenntniss desMechanismus des Körpers noch beiträgt?
Hier macht übrigens De la Mettrie selbst bereits eine petitioprincipii, wie er sie eben erst seinen Gegnern mit liecht vorgeworfenhat. Auch die Theologen haben Gelegenheit die menschliche Seeleerfahrungsmässig kennen zu lernen und der Unterschied im Werthedieser Erfahrung kann also nur ein Unterschied der Methode seinund der Categorien, unter welchen die Erfahrung untergebracht wird.
Der Mensch ist, wie De la Mettrie weiter entwickelt, eine soconstruirte Maschine, dass es unmöglich ist, sich von derselben vonvorn herein eine richtige Vorstellung zu bilden. Man muss die grossenGeister, welche dies vergeblich versuchten, einen Descartes, Maile-branche, Leibnitz und Wolff in ihren unnützen Versuchen noch be-wundern, aber einen ganz andern Weg betreten, als sie. Die ver-