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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Erstes Buch. Vierter Abschnitt.

Als es gegen eine Mauer kam, drehte es sich, schlug mit denFlügeln und fiel. (Eigene Beobachtung).

10. Polypen reproduciren sich in acht Tagen.

Der Mensch verhält sich zu den Thieren wie eine Planetenuhrvon Huyghens zu einem gemeinen Uhrwerk. Wie Vaucanson zu seinemFlötenspieler mehr Räder brauchte als zu seiner Ente, so ist auchdas Triebwerk des Menschen complicirter, als das der Thiere. Füreinen Redenden brauchte Vaucanson noch mehr, und auch diese Ma-schine kann nicht mehr als unmöglich gelten.

Man hat gewiss nicht zu denken, dass De la Mettrie unter einemRedenden hier einen vernünftigen Menschen gedacht hätte; allein mansieht doch, wie er mit Vorliebe die Kunstücke Vaucanson’s, die fürihr Zeitalter so bezeichnend sind, mit seiner menschlichen Maschinevergleicht.

De la Mettrie schliesst sein Werk mit Betrachtungen über dieBündigkeit und Solidität seiner auf die Erfahrung gestützten Schlüssegegenüber den kindischen Behauptungen der Theologen und derMetaphysiker.

„Das ist mein System, oder vielmehr, wenn ich mich nicht sehrirre die Wahrheit. Sie ist kurz und einfach, nun disputire wer will! “

Der Lärm, den dies Werk erregte, war erstaunlich aber nichtunbegreiflich; eben so rapid war aber seine Verbreitung. In Deutsch-land, wo die Gebildeten alle des Französischen mächtig waren, erschienkeine Uebersetzung; um so eifriger las man das Original, das imLauf der nächsten Jahre in allen bedeutenderen Blättern recensirtwurde, und sodann eine Fluth von Gegenschriften hervorrief. FürDe la Mettrie erklärte sich frei und öffentlich Niemand; um so mehrzeigt der mit unserer heutigen Polemik verglichene, milde Ton unddie ruhige eingehende Kritik mancher dieser Schriften, dass die all-gemeine Weltanschauung diesen Materialismus nicht für so absolutmonströs hielt, als man ihn heutzutage zu fassen sucht. In Englanderschien bald nach dem Erscheinen des Originals eine Uebersetzung,die das Werk dem Marquis d’Argens, einem gutmüthigen Freigeist,der auch zu den Kreisen Friedrichs des Grossen gehörte, zuschrieb;allein der wahre Verfasser konnte nicht lange verborgen bleiben.

Es verschlimmerte De la Mettries Sache entschieden, dass erauch schon eine philosophisch sein sollende Schrift über die Wollustherausgegeben hatte, wie er denn später noch mehreres dieser Artherausgab. Auch im l’homme machine sind die geschlechtlichen