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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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181
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Der Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts.

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Dinge, obwohl sie hier nicht zum wesentlichen Gedankengang gehören, ge-legentlich mit einer gewissen absichtlichen Frechheit berührt. Wir wollenhier weder den Einfluss seiner Zeit und seiner Nationalität verkennen,noch auch einen beklagenswerthen persönlichen Hang ableugnen,müssen aber wiederholt darauf hinweisen, dass De la Mettrie sichnun einmal durch sein System auf die Rechtfertigung der sinnlichenLust geführt glaubte, und dass er diese Gedanken, eben weil er siegedacht hatte, auch aussprach. In der Vorrede zur Gesammtausgabeseiner Werke bekennt er den Grundsatz: „Schreibe so, wie wenn duallein im Universum wärest und nichts von der Eifersucht und denVorurtheilen der Menschen zu fürchten hättest, oder — du wirstdeinen Zweck verfehlen.“ Vielleicht hat sich De la Mettrie zu weisswaschen wollen, wenn er in dieser mit allem Aufwand seiner Rhetorikgeschriebenen Selbstvertheidigung zwischen seinem Leben und seinenSchriften unterscheidet; jedenfalls ist uns aber nichts bekannt, wo-durch das Urtheil eines neueren Schriftstellers, der sonst dem Ma-terialismus mehr als gewöhnlich Gerechtigkeit widerfahren lässt, seineBegründung findet: „La Mettrie ist ein frecher Wüstling, welcher imMaterialismus nur die Rechtfertigung seiner Liederlichkeit sieht.“Sollte Hettner, der diese Worte schreibt, die Schriften des so hartbeurtheilten Mannes mit derselben Sorgfalt gelesen haben, welche ihn inseinen sonstigen Untersuchungen auszeichnet? Es handelt sich hier nichtdarum, ob La Mettrie auch, wie so mancher Schriftsteller dieser Zeiteinen ausschweifenden und leichtsinnigen Lebenswandel geführt habe —und selbst dafür scheinen stichhaltige Beweist kaum gegeben — alsvielmehr um die Frage, ob sein literarisches Auftreten seinen Grundin persönlicher Verdorbenheit hatte, oder ob er von einem bedeutendenund als Durchgangspunkt berechtigten Zeitgedanken ergriffen war,dessen Darstellung er sein Leben widmete. Wir verstehen den Ingrimmder Zeitgenossen gegen diesen Mann vollkommen, sind aber überzeugt,dass die Nachwelt ihm ein weit günstigeres Urtheil gönnen muss,wenn er nicht allein von der sonst üblichen Gerechtigkeit aus-geschlossen sein soll.

Ein junger Mann, der sich nach rühmlich durchlebter Studienzeitbereits in eine glückliche Praxis hineingearbeitet hat, verlässt diesenicht, um seine Studien an einer ausgezeichneten Pflegestätte derWissenschaft zu vertiefen, wenn nicht lebendiger Trieb nach derWahrheit in ihm ist. Der medicinische Satyriker wusste nur zu gut,dass Charlatanerie in der Arzneikunst besser bezahlt wurde, als ra-