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Erstes Buch. Vierter Abschnitt.
flächliclikeit unseres Materialisten zu sagen. Allerdings, wenn manseine fliessende Rhetorik liest, wenn man .seine schattenhaften Skizzender Ansichten anderer Philosophen verfolgt und die zahllosen Sprüngein der Beweisführung, die bald zu viel, bald zu wenig giebt, notirt,wenn man seine Brandschriften neben dickleibigen Metaphysikern mitder Hand wägt oder Widersprüche in Nebendingen aufsucht: dannlässt sich der Vorwurf der Oberflächlichkeit ausreichend begründen.Wir gewannen zuerst einen Einblick darin, dass hinter all diesenMängeln docli ein gesunder Kern liegt, als wir die Recensionen undGegenschriften wohlgeschulter und Schritt für Schritt arbeitender Ge-lehrten lasen. Da zeigt sich in fast allen dasselbe Schauspiel. Derdeutsche Professor geht wohlgemuth ans Werk und ist einem sowindigen Gegner gegenüber sehr zuversichtlich; aber je mehr dieWiderlegung an die Hauptgedanken kommt, desto mühsamer wird dieArbeit. De la Mettrie wird unter den Händen der Pedanten selbstgeregelter; sobald das Gerippe seiner Gedanken dasteht und das fri-vole Beiwerk beseitigt ist, findet sich in Allem ein zäher Zusammen-hang, und wenn anderseits nun Sätze aus der herkömmlichen Schul-philosophie den materialistischen Behauptungen gegenüber zum Siegegebracht werden sollen, da zeigt sich umgekehrt, wie wenig dieseSätze den Schein der Sicherheit und Bündigkeit verlieren, welcheneine gesetzte Sprache, eine geregelte Eintheilung, genaue Citate undschulmässige Handhabung des ganzen wissenschaftlichen Apparateseinem sogenannten metaphysischen System zu verleihen pflegen.
In einem späteren Kapitel werden wir noch Gelegenheit haben zuzeigen, dass in Wirklichkeit die ganze damalige Schulphilosophie keinenStandpunkt besass, welcher dem Materialismus eine wirklich tiefer be-gründete und wesentlich weiter reichende Weltanschauung hätte gegen-überstellen können. So w r ar De la Mettrie ein tadelnswerther Charakterund ein mittelmässiges Talent, aber zugleich doch der Träger eineswichtigen Momentes im Ideengang der neueren Zeit. Was an seinerSchriftstellerei am meisten zu tadeln ist, ist der Umstand, dass De laMettrie in seiner französischen Leichtfertigkeit gar nicht einmal fähigschien, seine Gedanken in kurzer, übersichtlicher und bündiger Formdarzustellen. Sein Systeme d’Epicure ist ein Zerrbild des wahren Epi-kureismus, aber dabei doch noch lange kein getreues Abbild derGedanken De la Mettries selbst. Es scheint fast, als habe er Epikurweniger gründlich aufgefasst, als Aristoteles und die Philosophen derNeuzeit. Ueberhaupt spielte Epikur in der damaligen französischen