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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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185
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Der Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts.

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Welt wieder eine ähnliche Rolle, wie in der römischen Kaiserzeit.Zwar lasen die Franzosen seit 1699 den Lucrez in Des Coutures’Uebersetzung, aber das wahre Verständniss für die ernste Grössedieses Mannes ging ihnen ebenso vollständig ab, wie ihren Künstlerndas Verständniss der Antike.

Am meisten hat De la Mettrie seiner Sache durch seinen Todgeschadet. Hätte der neuere Materialismus nur Vertreter gehabt, wieGassendi, Hobbes, Toland, Diderot, Grimm und Holbach, so würdeden Fanatikern, die so gern ihre Urtlieile auf verschwindende Ein-zelnheiten begründen, eine erwünschte Gelegenheit zu Verdammungs-urtheilen über den Materialismus entgangen sein. Kaum war De laMettrie seines neuen Glückes am Hofe Friedrichs des Grossen einigeJahre froh geworden, als der französische Gesandte, Tirconnel, denjener von einer schweren Krankheit glücklich geheilt hatte, ein Ge-nesungsfest veranstaltete, welches den leichtsinnigen Arzt ins Grabstürzte. Er soll in prahlerischer Schaustellung seiner Genussfähigkeitund wohl auch im Trotz auf seine Gesundheit eine ganze Trüffel-pastete verzehrt haben, worauf er sofort unwohl wurde und im Hausedes Gesandten an einem hitzigen Fieber unter heftigem Delirium starb.Dieser Fall machte um so grösseres Aufsehen, als damals gerade auchdie Euthanasie der Atheisten zu den lebhaft besprochenen Zeitfragengehörte. Im Jahre 1712 war ein französisches Werk erschienen, alsdessen Hauptverfasser man Deslandes angiebt, in dem ein Verzeichnissder grossen Männer gegeben wird, die unter Scherzen gestorben sind.Dies Buch war 1747 in deutscher Uebersetzung erschienen und standin frischem Angedenken. So mangelhaft es war, so erhielt es docheine gewisse Bedeutung durch seine Opposition gegen die gewöhnlicheorthodoxe Lehre, welche nur den Tod in Verzweiflung oder im Friedenmit der Kirche anerkennt. Wie man darüber hin und her disputirte, obein Atheist sittlich leben könne, und ob also — nach Bayles Hypothese— ein Staat von Atheisten möglich sei, so stritt man auch über dieFrage, ob ein Atheist ruhig sterben könne. Ganz entgegen der Logik,welche eine einzige negative Instanz, wo es sich um die Bildung einesallgemeinen Satzes handelt, über eine ganze Reihe positiver stellt,pflegt das Vorurtheil in solchen Fällen einen einzigen seiner Behaup-tung günstigen Fall mehr zu beachten als alle ungünstigen. De laMettrie’s Hinscheiden an Fieberdelirium in Folge des Verschlingenseiner grossen Trüffelpastete ist aber ein Gegenstand, der geeignet ist,den engen Horizont eines Fanatikers so vollständig auszufüllen, dass