Der Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts.
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— sie wurde durch die Uebermacht der Thatsachen, welche damalsKunst uud Wissenschaft auf allen Gebieten, wie eine Schlachtreihevon Kerntruppen ins Feld schickten, für den Materialismus selbst ersterobert, indem sie schon für andre, minder vielseitige Geister einereiche Quelle materialistischer Gedanken und Anschauungen gewordenwar. Diderots Freund und Arbeitsgenosse, D’Alembert, war dagegenschon w r eit über den Materialismus hinaus, indem er sich „versuchtfühlte zu meinen, dass Alles, was wir sehen, nur Sinnenerscheinungsei, dass es Nichts ausser uns giebt, was dem, was wir zu sehenglauben, entspricht.“ Er hätte für Frankreich werden können, wasKant für die Weltgeschichte geworden ist, wenn er diesen Gedankenfestgehalten und nur einigermassen über das Niveau einer skeptischen An-wandlung erhoben hätte. So aber ist er nicht einmal der Protagorasgeworden, zu dem ihn Voltaires Scherz zu machen suchte. Der rücksichts-volle und zurückhaltende Buffon, der verschlossene und diplomatischeGrimm, der eitle und oberflächliche Helvetius: sie alle stehn demMaterialismus nahe, ohne uns jene festen Gesichtspunkte und jenefolgerichtige Durchführung eines Grundgedankens darzubieten, durchwelche De la Mettrie bei aller Frivolität des Ausdrucks sich dennochauszeichnete. Wir müssten Buffon als Naturforscher erwähnen, undvor allen Dingen auch auf Cabanis, den Vater der materialistischenPhysiologie hier näher eingehen, w enn es nicht unser “Endzweck mitsich brächte, rasch den entscheidenden Boden zii betreten und dergeschichtlichen Darlegung der Grundfragen, um die es sich handelt,erst später einen Blick in die speciellen Wissenschaften folgen zulassen. So* scheint es berechtigt, wenn wir gerade jene Periodezwischen dem Erscheinen des homme machine und des Systeme dela nature, welche dem Literarhistoriker eine so reiche Ausbeute ge-währt, nur beiläufig berühren und sofort zu dem Werke übergehen,welches man oft als den Codex oder als die Bibel des gesammtenMaterialismus bezeichnet hat.
Das System der Natur mit seiner geraden, ehrlichen Sprache,seinem fast deutschen Gedankengang und seiner doctrinären Ausführ-lichkeit gab auf einmal das klare Resultat aller jener geistreich gäh-renden Zeitgedanken, und dies Resultat in seiner starren Geschlossenheitstiess selbst diejenigen zurück, welche zu seiner Erzielung am meistenbeigetragen hatten. De la Mettrie hatte hauptsächlich Deutschlanderschreckt. Das System der Natur erschreckte Frankreich. Wirktedort die Frivolität mit, die dem Deutschen in innerster Seele zuwider