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Erstes Buch. Vierter Abschnitt.
zu stützen suchen. Das Recht der Völker auf Revolution in entartetenZuständen gilt ihm wie ein Axiom, und hierin traf er genau den Nagelauf den Kopf. Nicht irgend welche kunstvolle Verfassungen zu machen,sondern die Regenten, welche sie auch seien, zu zwingen ihre Pflichtzu erfüllen: das war das punctum saliens der lebendigen Geschichtejener Zeit; es ist ein Punkt, der noch heute von Bedeutung ist,
Holbachs Etllik ist ernst und rein, obwohl er nicht über denBegriff der Glückseligkeit hinausgeht. Es fehlt ihr die Innigkeit undder poetische Hauch, welcher Epikurs Lehre von der Harmonie desGemüthslebens beseelt; dagegen nimmt sie einen bedeutenden Anlaufdazu, den Standpunkt des Individuums zu überwinden und die Tugendendes Staates und der Gesellschaft zu begründen. Gerade in diesemStück fehlt freilich die tiefere Begründung, wie sie sich wohl auchvom Standpunkte des Materialismus aus hätte geben lassen, obwohlminder leicht und natürlich, als von dem des Idealismus. Um somehr Anerkennung verdient das Streben, diese Begründung der Sitt-lichkeit zu gewinnen; ein Streben, welches sich in Condorcet fort-setzt, welches die Leiter der französischen Revolution so ernsthaftbeschäftigt, und welches in Frankreich erst in unserm Jahrhundertdurch Comte zu einem bedeutungsvollen Abschlüsse gelangt ist.
Wo wir im System der Natur eine frivole Wendung zu fin-den meinen, da liegt nicht sowohl das oberflächliche und leicht-fertige Spielen mit dem Sittlichen selbst zu Grunde — und daswäre doch eigentlich das Frivole — als vielmehr die völlige Ver-kennung des sittlichen und ideellen Gehaltes der überlieferten Institu-tionen, insbesondere der Kirche und des Offenbarungsglaubens. Folgtdiese Verkennung schon aus dem unhistorischen Sinn des achtzehntenJahrhunderts, so ist sie doch doppelt begreiflich unter einer Nation,welche, wie die französische damals, keine eigentliche Poesie hat;denn aus diesem Lebensquell sprudelt Alles hervor, was eine tief imWesen des Menschen begründete Kraft des Daseins und des Schaffenshat, ohne auf die verstandesmässige Rechtfertigung zu warten. Soist denn auch in Goethes berühmtem ürtheil über das System derNatur die tiefste Kritik mit der grössten Ungerechtigkeit in naiverSelbstgewissheit des eignen Thuns und Schaffens zu einer grossartigenOpposition des jugendfrischen deutschen Geisteslebens gegen die schein-bare „Greisenheit” Frankreichs verschmolzen. *
Das System der Natur zerfällt in zwei Tlieile, von denen dererste die allgemeinen Grundlagen und die Anthropologie enthält,