Der Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts.
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zu De la Mettrie in dieser Beziehung mit demjenigen Epikurs zuAristipp zu vergleichen, so kann die nähere Bestimmung dieses Ver-hältnisses nur zu Holbachs Vortheil ausfallen. Wie Epikur setzte aucher den Zweck des menschlichen Strebens in die dauernde Glückselig-keit; nicht in die vergängliche Lust. Das System der Natur enthältaber zugleich den Versuch einer physiologischen Begründung derSittenlehre und in Verbindung damit eine energische Hervorhebungder bürgerlichen Tugenden.
„Wenn man die Erfahrung statt des Vorurtheils befragen würde,so könnte die Medicin der Moral das Käthsel des menschlichenHerzens lösen, und man könnte versichert sein, dass sie durch diePflege des Körpers bisweilen den Geist heilen würde.“ Erst zwanzigJahre später begründete der edle Pinel, ein Arzt aus Condillae’sSchule, die neuere Psychiatrie, welche uns mehr und mehr dahinbrachte, zu grosser Erleichterung der schrecklichsten Leiden desMenschengeschlechtes, die Irren wohlwollend zu pflegen und in einemgrossen Theil der Verbrecher Geisteskranke zu erkennen. — DasDogma von der Immaterialität der Seele hat aus der Moral eineWissenschaft der Vermuthungen gemacht, welche uns gar nichts lehrtvon den wahren Mitteln, durch die man auf die Menschen wirkenkann. Wenn wir, gestützt auf die Erfahrung, die Elemente kennten,welche die Grundlage des Temperamentes eines Menschen oder derMehrzahl der Individuen eines Volkes bildeten, so wüssten wir, wasfür ihre Natur passt, die Gesetze, welche ihnen nothwendig sind unddie Einrichtungen, welche ihnen nützlich sind. Mit einem Wort, dieMoral und die Politik könnten aus dem Materialismus Vortheileziehen, welche das Dogma von der Immaterialität der Seele ihnenniemals geben kann und an die es uns sogar zu denken verhindert.“Dieser Gedanke Holbachs hat noch jetzt seine Zukunft; nur dasswahrscheinlich fürs Erste die Moralstatistik mehr für die Physik derSitten leisten wird, als die Physiologie.
Alle moralischen und intellectuellen Fähigkeiten leitet Holbach abaus der Erregbarkeit für die Eindrücke der Aussenwelt. „Ein empfind-sames Gemiith ist nichts als ein menschliches Gehirn, welches so be-schaffen ist, dass es mit Leichtigkeit die ihm mitgetheilten Bewegungenaufnimmt. So nennen wir den empfindsam, welchen der Anblick einesUnglücklichen oder die Erzählung eines schrecklichen Vorfalls, oderder blosse Gedanke an eine betrübende Scene zu Thränen rühren.“Hier stand Holbach unmittelbar vor den Anfängen einer materialistischen