Die neuere Philosophie.
271
welche sie in unserer Erkenntniss spielen, die musterhafte Klarheit einesbahnbrechenden Kopfes bewundern.
Kant bemerkt in den Prolegomenen (§. 44) „dass die Vernunftideennicht etwa sowie die Categorien uns zum Gebrauch des Verstandes inAnsehung der Erfahrung irgend etwas nutzen, sondern in Ansehungdesselben völlig entbehrlich, ja wohl gar den Maximen des Ver-nunfterkenntnisses derNatur entgegen und hinderlich, gleich-wohl aber doch in anderer noch zu bestimmender Absicht nothwendigsind.“
„Ob die Seele eine einfache Substanz sei oder nicht, daskann uns zur Erklärung der Erscheinungen derselben ganzgleichgültig sein, denn wir können den Begriff eines einfachen Wesensdurch keine mögliche Erfahrung sinnlich, mithin in concreto verständlichmachen, und so ist er, in Ansehung aller verhofften Einsicht in dieNatur der Erscheinungen, ganz leer und kann zu keinem.Princip derErklärung dessen, was innere oder äussere Erfahrung an die Hand giebt,dienen. Ebenso wenig können uns die cosmologischen Ideen vom Welt-anfange, oder der Weltewigkeit dazu nutzen, um irgend eine Begeben-heit in der Welt selbst daraus zu erklären. Endlich müssen wir,nach einer richtigen Maxime der Naturphilosophie, uns allerErklärungen der Natureinrichtung, die aus dem Willen eineshöchsten Wesens gezogen worden, enthalten, weil diesesnicht mehr Naturphilosophie ist, sondern ein Geständniss,dass es damit bei uns zu Ende gehe.“
Mehr können diejenigen unserer „Materialisten“ nicht verlangen,welche gar keine Metaphysiker sein wollen und überhaupt nur dahinstreben, der exacten Forschung auf allen Gebieten die Bahn frei zumachen, während ihnen dasjenige, was man jenseit derselben etwa nochaus irgend welchen Gründen annehmen mag, gleichgültig bleibt. Derdogmatische Materialist aber wird fragen, was denn nun eigentlichdie Ideen noch sollen, wenn sie auf den Gang der positiven Wissen-schaften durchaus keinen Einfluss haben dürfen. Er wird nicht nur denVerdacht hegen, dass sie durch irgend eine Hinterthür doch wieder indas Gebiet der Forschung hineinschlüpfen und sich dem Fortschritt derWissenschaften entgegenstemmen werden, sondern er will auch über-haupt jenseit der sinnlichen Erfahrung nichts mehr anerkennen, da erals metaphysisches Dogma festhält, dass die Welt so ist, wie sie unskraft unserer Sinne erscheint. Jener Verdacht ist, beiläufig bemerkt,nur zu begründet; wo es sich nämlich um gewisse Kantianer und nicht