Die neuere Philosophie.
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das Studium der Medicin entschied, und auch darin kann er seinemfranzösischen Vorgänger verglichen werden, dass er sofort in demneuen Studium Partei ergriff, und zwar für die rationelle Schule.Ernster uud gediegener als jener Franzose wandte er seitdem seinreiches und vielseitiges Talent tlieils zu wissenschaftlichen Forschungenan, theils aber zur populären Darstellung und publicistischen Ver-werthung der Resultate neuerer naturwissenschaftlicher Forschungen.Bei dieser Thätigkeit verlor er niemals die Beziehungen auf die grossenAufgaben der fortschreitenden Humanität aus dem Auge.
Obwohl Büchner, angeregt durch Moleschott und in ähnlicher,rhetorisch-emphatischer Weise, sich in manchen seiner Aeusserungenzu dem entschiedensten Materialismus bekannte, so ist doch seineeigentliche Richtung — die freilich aus widersprechenden Stellen nurschwer mit Sicherheit festzustellen ist — mehr eine relativistische.Die letzten Räthsel des Lebens und des Daseins sind, wie er mehr-fach ausspricht, nicht zu lösen. Die empirische Forschung aber, dieuns allein zur Wahrheit leiten kann, lässt uns nichts Uebersinnlichesannehmen. Ueberschreiten wir in unserem Denken die Schranken derErfahrung, so gerathen wir rettungslos in Irrthümer. Der Glaube,der dann aber mit dem Thatsächlichen nichts mehr zu thun hat, magin jene Gebiete hinüberschweifen, die Vernunft aber kann und darfihm nicht folgen. Die Philosophie muss aus den Naturwissenschaftenhervorgehen; was diese uns lehren, daran haben wir uns so lange zuhalten, bis wir auf demselben Wege eine tiefere Einsicht bekommen.—Merkwürdig ist, dass Büchner eine poetisch-symbolische Geltung phi-losophischer oder religiöser Sätze gar nicht gelten lässt. Er hat ein-mal mit seiner eigenen poetischen Natur in Beziehung auf diese Fra-gen gebrochen, und nun ist ihm Alles wahr oder falsch. Damit istaber im Grunde nicht nur die Speculation und der religiöse Glaubeverneint, sondern auch jede Poesie, welche eine Idee bildlich aus-drückt.
Merkwürdig ist, dass sowohl Moleschott als auch Büchner in derBehandlung einzelner Fragen oft einen grossen, ächt philosophischenScharfsinn verrathen, der dann wieder mit schwer begreiflichen Tri-vialitäten wechselt. So ist z. B. in Büchners Kraft und Stoff dergrösste Theil des Oapitels „der Gedanke“ ein Muster umsichtigerDialectik; freilich nur ein Bruchstück, denn die treffliche Kritik derberüchtigten Aeusserung Vogts über das Verhältniss der Gedankenzum Gehirn schliesst mit einem vollständigen Dualismus von Kraft