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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Zweites Iiueli. Erster Abschnitt.

und Stoff', der nachlter nicht mehr ausgeglichen, sondern nur durchden schnell dahineilenden Redefluss verwischt wird.

Der Grund, weshalb so begabte und redlich strebende Männer,wie Moleschott und Büchner ihren Stoff nicht gründlicher erfassten,dürfte daher wohl nicht allein darin zu suchen sein, dass sie vonvornherein die populäre Darstellung und Erörterung an die Stelle derPhilosophie setzen; denn auch innerhalb dieser Schranken Hessen sichbedeutend höhere Forderungen stellen, und die populäre Darstellungkann wirklich philosophischen Gehalt haben, ohne eben die Aufgabeder Philosophie zu erschöpfen. Dann aber muss der Darstellung we-nigstens eine bestimmte Anschauung mit Consequenz und Klarheit zuGrunde gelegt werden, was bei der Mehrzahl unserer Materialistennicht der Fall ist. Der Grund davon dürfte in der Nachwirkung derSchelling-Hegelschen Philosophie zu suchen sein.

Wir nannten schon oben Moleschott einen Epigonen derNaturphilosophie, und zwar mit gutem Bedacht. Er ist es nichtetwa deshalb, weil er in jungen Jahren fleissig Hegel studirt undspäter Feuerbach gehuldigt hat, sondern deshalb, weil diese Geistes-richtung noch überall in seinem angeblich so consequenten Materia-lismus bemerkbar ist; und zwar gerade in den im metaphysischenSinn entscheidenden Punkten. Ein gleiches ist bei Büchner der Fall,der nicht nur Feuerbach, einen mächtig gährenden, aber durchausunklaren Denker häufig als Autorität hinstellt, sondern auch mitseinen eigenen Aeusserungen sich oft genug in einen vagen Pantheis-mus verirrt.

Der Punkt, um den es sich namentlich handelt, lässt sich ganzbestimmt angeben. Es ist gleichsam der Apfel in dem logischenSündenfall der deutschen Philosophie nach Kant: das Verhältnisszwischen Subject und Object in der Erkenntnis».

Nach Kant stammt unsere Erkenntnis» aus der Wechselwirkungvon beiden — ein unendlich einfacher und doch immer wieder ver-kannter Satz. Es folgt aus dieser Anschauung, dass unsere Erschei-nungswelt nicht blos ein Product unserer Vorstellung ist (Leibnitz,Berkley); dass sie auch nicht ein adäquates Bild der wirklichen Dingeist, sondern ein Erzeugniss objectiver Einwirkungen und subjectiverGestaltung derselben. Dasjenige nun, was nicht etwa ein einzelnerMensch, vermöge zufälliger Stimmung oder fehlerhafter Organisationso oder so erkennt, sondern was die Menschheit im Ganzen, vermögeihrer Sinnlichkeit und ihres Verstandes erkennen muss, nannte