Die neuere Philosophie.
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den sie auf uns macht; wir nennen sie Kälte; aber wir wissen zwi-schen dem physiologischen Vorgang in unseren Nerven und den phy-sikalischen in dem Körper selbst wohl zu unterscheiden. Dieser letztereist im Verhältniss zum ersteren das Ding an sich. Ob man ferner-hin nicht nur von unseren Gefithlsnerven, sondern auch von unsererVerstandes-Auffassung abstrahiren und hinter dem Eis ein Ding ansich suchen soll, welches weder räumlich noch zeitlich ist, lassen wirhier ganz und gar dahingestellt. Wir bedürfen nur einen einzigenSchritt, um zu zeigen, dass die Eigenschaften der Dinge von unsernVorstellungen zu unterscheiden sind, und dass ein Ding Eigenschaftenhaben, dass es sein kann, ohne dass wir es wahmehmen.
Wenn Wurm, Käfer, Mensch und Engel einen Baum betrachten,sind das dann fünf Bäume? Es sind vier Vorstellungen einesBaumes, vermuthlich höchst verschieden von einander; aber sie be-ziehen sich auf ein und denselben Gegenstand, von dem jedes ein-zelne Wesen nicht wissen kann, wie er an sich beschaffen ist, weil esnur seine Vorstellung von demselben kennt. Der Mensch hat nur deneinen Vorzug, dass er durch Vergleichung seiner Organe mitdenen der Thierwelt und durch physio 1 ogische Unter-suchungen dahin gelangt, seine eigene Vorstellung für eben so un-vollständig und einseitig zu halten, wie diejenigen verschiedener Thier-classen.
Wie ist denn nun die Scheidewand zwischen dem Ding für unsund dem Ding an sich durchbrochen? Wenn das Ding nur ist durchseine Beziehung zu anderen Gegenständen, so kann man doch diesenmetaphysischen Satz Moleschotts vernünftiger Weise nur so fassen,dass das Ding an sich durch die Summe aller seiner Beziehun-gen zu anderen Gegenständen besteht, nicht aber durch einenbeschränkten Tlieil derselben. Wenn ich die Augen schliesse, so fallendie Lichtstrahlen, welche von den verschiedenen Theilen des Baumszur Netzhaut gingen, nunmehr auf die Aussenfläche der Augenlider.Das ist Alles, was sich geändert hat. Ob aber» ein Object noch be-stehen kann, das überhaupt mit keinem anderen Gegenstand mehrLicht-, Wärme-, Schallstrahlen, electrische Strömungen, chemischenStofftausch und mechanische Berührungen auswechseln kann, das istfreilich die Frage. Es wäre ein recht hübsches Thema naturphiloso-phischer Spitzfindigkeiten. Wenn man es aber auch so löst, dass manMoleschott beistimmt, so bleibt noch immer zwischen dem Ding ansich und dem Ding für mich ein Unterschied, der ungefähr so gross