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Zweites Buch. Erster Abschnitt.
ist, wie der Unterschied zwischen einem Product aus unendlich vielenFactoren und einem einzigen bestimmten Factor dieses Productes.
Nein! Das Ding an sich ist nicht das Ding für mich; aber ichkann dieses vielleicht mit gutem Bedacht au seine Stelle setzen, wieich z. B. meinen Begriff der Kälte und Wärme an die Stelle derTemperaturzustände der Körper setze. Der alte Materialismus sahbeides ganz naiv für identisch an. Zwei Dinge haben dies für immerunmöglich gemacht: der Sieg der Undulationstheorie und dieKantsche Philosophie. Man kann sich an dem Einfluss derselbenvorbei drücken; aber damit macht man keine Epoche. Man müsstesich mit Kant abfinden. Dies that die Naturphilosophie in der Formeines Offenbarungsrausches, der das absolute Denken zur Gottheiterhob. Eine nüchterne Abfindung muss anders angestellt werden.Man muss entweder den Unterschied zwischen dem Ding an sichund der Erscheinungswelt zugeben und sich damit begnügen, diespecielle Ausführung Kants zu verbessern; oder man muss sich demcategorischen Imperativ in die Arme stürzen und also gewisser-maassen Kant mit seinen eignen Waffen zu schlagen versuchen.
Hier ist allerdings noch ein Pförtchen offen. Kant benutzte denunendlichen leeren Raum jenseit der menschlichen Erfahrung, umseine intelligible Welt hinein zu bauen. Er that dies kraft des cate-gorischen Imperativs. „Du kannst, denn du sollst.“ Also muss esFreiheit geben. In der wirklichen Welt unsres Verstandes giebt eskeine. Also mag sie in der intelligiblen Welt wohnen. Wir könnenuns zwar die Willensfreiheit nicht einmal als möglich denken; wohlaber können wir uns als möglich denken, dass es in dem Ding ansich Ursachen giebt, welche sich in dem Organ unsres vernünftigenBewusstseins als Freiheit darstellen, während sie mit dem Organ desanalysirenden Verstandes betrachtet nur das Bild einer Kette vonUrsache und Wirkung geben.
Wie nun, wenn man mit einem andern categorischen Imperativbeginnt? Wie, wenn man den Satz an die Spitze der ganzen posi-tiven Philosophie stellt: „Begnüge dich mit der gegebnenWelt!“ Ist dann nicht die Fata Morgana der intelligiblen Weltmit einem Zauberschlage vernichtet?
Kant würde zunächst entgegenhalten, dass sein categorischerImperativ, welcher in unsrer Brust das Gute zu thun befiehlt, eineThatsache des innern Bewusstseins sei, von derselben Nothwen-digkeit und Allgemeinheit, wie das Naturgesetz in der äusseren