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Zweites Buch. Erster Abschnitt.
Ein einziger unter den neueren Materialisten hat versucht, dieSchwierigkeiten, welche sich diesem Standpunkt entgegenstellen, wirk-lich systematisch zu lösen. Derselbe Denker ist aber noch weitergegangen. Er hat sogar den Versuch gemacht, die Uebereinstimmungder wirklichen Welt mit der Welt unsrer Sinne nachzuweisen oderwenigstehs wahrscheinlich zu machen. Dies unternahm Czolbe inseiner neuen Darstellung des Sensualismus.
Heinrich Czolbe, der Sohn eines Gutsbesitzers in der Nähevon Danzig, wandte sich schon in früher Jugend philosophischen undtheologischen Fragen zu, ■obwohl er die Medicin als Fachstudiumwählte. Auch hier finden wir den Ausgangspunkt für die spätereRichtung in derselben Naturphilosophie, welche unsre heutigen Mate-rialisten so gern als das entgegengesetzte Extrem ihrer Bestrebungendarstellen, und von welcher doch unter den Stimmführern nur CarlVogt ganz unberührt geblieben ist. Für Czolbe war namentlichHölderlins Hyperion von entscheidender Bedeutung, ein Werk,welches den durch Schelling und Hegel angeregten Pantheismus ingrossartig wilder Poesie verkörperte und die hellenische Einheit vonGeist und Natur den deutschen Culturzuständen gegenüber verherr-lichte. Strauss, Bruno Bauer und Feuerbach waren fernerhinfür die Richtung des jungen Mediciners bestimmend. Merkwürdigist aber, dass es auch ein Philosoph war — sogar ein Professor derPhilosophie, wenn das nicht nach Feuerbach ein Widerspruch ist —der ihm schliesslich für die Ausbildung seines besondern "materia-listischen Systems den letzten Anstoss gab.
Es ist Lotze — derselbe, den Carl Vogt gelegentlich als Mit-fabrikanten der ächten Göttinger Seelensubstanz mit dem Titel einesspeculirenden Struwwelpeters belegt — Lotze, einer der scharfsinnig-sten und in wissenschaftlicher Kritik sattelfestesten Philosophen unsrerZeit, welcher dem Materialismus so unfreiwillig Vorschub leistete.Der Artikel „Lebenskraft“ in Wagners Handwörterbuch und seine. „allgemeine Pathologie und Therapie, als mechanische Naturwissen-schaften“ vernichteten das Gespenst der Lebenskraft und schafftenin der Rumpelkammer des Aberglaubens und der Begriffsverwirrung,welche die Mediciner Pathologie nannten, einige Ordnung. Lotzehatte einen ganz richtigen Weg betreten; denn in der Tliat gehörtes zu den Aufgaben der Philosophie, unter kritischer Benutzung dervon den positiven Wissenschaften gelieferten Thatsachen, auf diesezurückzuwirken und die Resultate eines weiteren Ueberblicks und