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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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313
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Die neuere Philosophie.

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einer strengeren Logik gegen das Gold achter Specialforschung aus-zutauschen. Er würde ohne Zweifel auf diesem Wege noch mehrAnerkennung gefunden haben, wenn nicht gleichzeitig Yirchow alspractischer Reformator der Pathologie aufgetreten w’äre, und wennLotze selbst nicht zugleich einer eigensinnigen Metaphysik gehuldigthätte, von der man schwer begreift, wie sie sich neben seiner eignenkritischen Schärfe behaupten konnte.

Czolbe fand sich durch die Beseitigung des „übersinnlichenBegriffes“ der Lebenskraft zu dem Versuch angeregt, die Besei-tigung des Uebersinnlichen zum Princip der ganzen Welt-auffassung zu machen. Schon seine Inaugural-Dissertation über diePrincipien der Physiologie (Berlin 1844) verräth diese Bestrebungen;allein erst elf Jahre später, da der materialistische Streit schon invollem Zuge war, trat Czolbe mit seiner „neuen Darstellung desSensualismus“ hervor.

Da wir im Ganzen den Begriff des philosophischen Materialismusziemlich eng genommen haben, müssen wir wohl vorab darlegen,warum wir gerade einem System hier besondre Beachtung schenken,welches sich als „Sensualismus“ giebt. Czolbe selbst wählte dieseBezeichnung wohl deshalb, weil der Begriff sinnlicher Anschaulichkeitseinen Gedankengang durchgehends bestimmt. Diese sinnliche An-schaulichkeit steckt aber gerade darin, dass Alles auf die Materieund ihre Bewegung zurückgeführt wird. Sonach ist die sinnlicheAnschaulichkeit nur ein regulatives Princip, und das metaphysischeist die Materie.

Will man den Sensualismus vom Materialismus streng unter-scheiden, so darf man nur diejenigen Systeme mit dem ersteren Na-men bezeichnen, welche sich an den Ursprung unsrer Erkenntnissaus den Sinnen halten und keinen Werth darauf legen, das Weltallaus Atomen, Molectilen oder andern Gestaltungen des Stoffes con-struiren zu können. Der Sensualist kann annehmen, dass die Materieblosse Vorstellung sei — weil das, was wir in der Wahrnehmungunmittelbar haben, eben nur Empfindung ist, und nicht „Stoff“. Erkann aber auch, wie Locke, geneigt sein, den Geist auf die Materiezurückzuführen. Sobald dies aber zur nothwendigen Grundlage desganzen Systems wird, haben wir ächten Materialismus vor uns.

Und doch ist auch bei Czolbe der alte, naive Materialismusder früheren Perioden nicht wiederzufinden. Es ist nicht nur dieallenthalben hervortretende persönliche Bescheidenheit des \ erfassers,