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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Zweites Buch. Erster Abschnitt.

die Propheten des alten Bundes gedeutet hatten. Die natürliche Ein-sicht kommt erst in unserer Epoche zur vollen Entfaltung und offen-bart sich damit als der wahre heilige Geist, der uns in alle Wahr-heit leiten Soll. Hegel gab diesen Gedanken eine bestimmtere Rich-tung. Seine Auffassung der Weltgeschichte lässt den Dualismus vonGeist und Natur als eine grossartige Durchgangsstufe zwischen einerniederen und einer höheren, geläuterten Periode der Einheit erschei-nen; ein Gedanke, der einerseits Anknüpfungspunkte an die innerstenMotive der kirchlichen Lehre gewährt und anderseits zu jenen Be-strebungen veranlasst hat, welche in der Völligen Beseitigung allerReligion ihre Aufgabe linden. Es konnte bei der Verbreitung dieserAnsichten nicht fehlen, dass Deutschland nun seinen Blick auf dasclassische Alterthum zurückwandte, und namentlich auf das geistes-verwandte Griechenland, in welchem jene Einheit von Geist undNatur, der wir wieder entgegengehen sollen, bisher am vollendetstenin die Erscheinung getreten ist. Es ist namentlich eine Stelle vonStrauss, in welcher Czolbe das Resultat dieser Betrachtungen glück-lich zusammengefasst findet.

„Materiell,“ sagt Strauss in seiner Betrachtung über Julian,„ist dasjenige, was Julian aus der Vergangenheit festzuhalten ver-suchte, mit demjenigen verwandt, was uns die Zukunft bringen soll:die freie, harmonische Menschlichkeit des Griechenthums, die auf sichselbst ruhende Mannhaftigkeit des Römerthums ist es, zu welcher wiraus der langen, christlichen Mittelzeit und mit der geistigen und sitt-lichen Errungenschaft von dieser bereichert, uns wieder herauszu-arbeiten im Begriffe sind.“ W’enn man nach der Weltauffassung derZukunft fragt, so dürfte der Sensualismus insofern jenerAnsicht von Strauss entsprechen, als Anschaulichkeit desDenkens eine Einheit oder Harmonie unseres ganzen be-wussten Lebens; Resignation auf das, was die Erkenntnissals unmöglich oder nicht existirend erweist, eine gewisseMannhaftigkeit des Gefühls oder Gemüthes zu bedingenscheinen.“

So Czolbe, und der Umstand, dass er in der späteren Schriftüber die Entstehung des Selbstbewusstseins auf jene Stelle zurück-kommt, zeigt uns ihre fundamentale Bedeutung für seinen Sensualis-mus in noch hellerem Lichte.

„Zu dem früher über die ästhetische Bedeutung des Materialis-mus Gesagten ist hier noch hinzuzufügen, dass, wie die richtige Mitte,