Die neuere Philosophie.
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Denn dieser bedurfte zur Begründung seines transscendentalen Idea-lismus durchaus nicht mehr, als die blosse Denkbarkeit; da er sichüberhaupt in der intelligiblen Welt hielt und von der Erfahrungsweltgar nichts behauptete oder auch nur für wahrscheinlich ausgab, alswas die exacten Wissenschaften lehren. Da Czolbe aber den Spiessumkehrt und die Befriedigung des Gemütlies gerade in der Verban-nung alles bloss Intelligiblen sucht, so bleibt ihm zur Erreichungseines Zieles nur Naturwissenschaft, und seine Metaphysik selbst mussdie Form einer naturwissenschaftlichen Hypothese annehmen. Da istaber ohne die Erreichung der höchsten Wahrscheinlichkeit nicht ein-mal an Befriedigung des Verstandes zu denken, geschweige denn andie Erfüllung weiter gehender Ansprüche des Gemüthes.
Hier liegt nun auch der Punkt, in welchem Czolbe der schroffsteAntipode von Kant ist. Er muss, um uns wirklich zu befriedigen,nicht mir die sittliche Forderung aufstellen, vom Uebersinnlichen ab-zusehen, sondern er muss uns auch wahrscheinlich machen, dasses dergleichen ausser unseren Hirngespinnsten gar nichtg i e b t. Die hohle Möglichkeit braucht nicht beseitigt zu werden;denn auf diese giebt der Mensch doch nur dann etwas, wenn er esaus anderen Gründen mit Gewalt will. Es handelt sich um weitmehr; denn Kant glaubte bewiesen zu haben, dass es eine von un-serer Erscheinungswelt verschiedene Welt der Dinge an sich gebenmuss. Der categorische Imperativ würde vielleicht ausreichen, diesezu verbannen, wenn es sich nicht eben um ein System handelte,welches allseitige Befriedigung gewähren soll. Der sporadische Mate-rialismus kann gelegentlich zugeben, dass wir die Welt nur mensch-lich auffassen; er kann fordern, dass man sich dabei genügen lasse,indem er im Grunde die Philosophie selbst verwirft und die stück-weise Erkenntniss des Einzelnen an die Stelle der Einheitsbestrebun-gen setzt. Der systematische Philosoph muss sich beim Wort nehmenlassen. Räumt er das Dasein des Dings an sich ein, so muss er auchKant weiterhin zugeben, dass wenigstens die Kenntniss der Grenzenunseres Erkenntnissvermögens von Interesse ist. Damit aber ist schondie völlige Ausschliessung des Uebersinnlichen unmöglich; denn dieGrenze kann ohne ein Diesseitiges und Jenseitiges nicht gedacht wer-den. Ja, genau genommen ist schon in der blossen Annahme derMöglichkeit des Dings an sich etwas Uebersinnliches enthalten; frei-lich zu wenig, um den Gelegenheits-Materialisten zu kümmern.
Diese ganze Aufgabe hat Czolbe in ihrer vollen Schwere em-