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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die neueren Naturwissenschaften.

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Dilettanten. Wenn diesen Schriftstellern aber zum Vorwurf gemachtwerden sollte, dass sie über chemische Fragen mitsprechen, ohne gradeChemiker zu sein, oder dass sie überhaupt Schlüsse aus den Forschun-gen Anderer ziehen, so müssen wir Gelegenheit nehmen, eins der schäd-lichsten Vorurtheile entschieden zurückzuweisen. Wenn die Resultateder Wissenschaft so schwierig zu deuten wären, dass dazu allemalwieder ein Specialforscher desselben Faches gehörte, so sähe es mit demZusammenhang alles Wissens und mit der ganzen höheren Bildung sehrbedenklich aus. Ein Schuh wird in gewissen Beziehungen am bestenvom Schuhmacher beurtheilt, in andern von dem, der ihn trägt, undwieder in andern vom Anatomen und vom Maler oder Bildhauer. DasBeispiel klingt sehr trivial, aber es erleidet hier Anwendung. Um phi-losophische Schlüsse aus den Thatsachen der Naturforschung zu ziehen,braucht man philosophische Bildung; im Uebrigen nur eine richtige Auf-fassung der Thatsachen; es ist aber nichts als ein weit verbreiteter Irr-thum, wenn man meint, der Fachmann müsse das in jedem Fach ambesten können.

Bei jedem wirklich productiven Forscher wird man wohl voraus-setzen können, dass Genie, Ueberlieferung und bewusste Methode andem glücklichen Resultate ihren grösseren oder geringeren Antheil haben.Es ist ganz gut möglich, dass ein Philosoph, welcher das Verfahren derNaturforschung geschichtlich und theoretisch ganz genau kennt, beieignen Untersuchungen aus Mangel an Sinn, Geschick und überlieferterTechnik gänzlich Schiffbruch leiden würde. Dieser wäre dann trotzseiner theoretischen Einsicht — aber auch unbeschadet derselben —ein naturforschender Dilettant. Im Gegensatz dazu werde ich aber deneinen Dilettanten in der Philosophie, und nicht in der Naturforschungnennen, welcher von der Methode, die er praktisch mit einigem Glückverfolgt, nur die vagsten Allgemeinheiten anzugeben weiss, und sichdarin gefällt, diesen den ganzen Erfolg der neueren Naturwissenschaftenzuzuschreiben. Wenn man solche Praktiker oft von Empirie, Inductionund Baco reden hört; oder wenn man aus ihrem Munde die grosse Weis-heit vernimmt, dass es nichts bedurft hätte, als die Verdrängung derNaturphilosophie und der classischen Literatur, um die ächte Natur-forschung wie einen deus ex machina erscheinen zu lassen: dann weissman freilich, auf welchem Boden man sich befindet, und man wird aufWiderlegung gern verzichten. Einen andern Zweck hat Polemik; einenandern Elementarunterricht.

Die Stimmführer des Materialismus sind in dieser Beziehung bei