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Zweites Buch. Zweiter Abschniti.
Trennung durch das Wesen der Naturforschung und der Philosophiebedingt w erde.
Die Naturwissenschaften haben in ihrer klaren und lichtvollen Me-thode, in der überzeugenden Macht ihrer Experimente und Demonstra-tionen einen mächtigen Schutz gegen die Verfälschung ihrer Lehre durchMänner, welche dem Princip ihrer Forschung schnurstracks zuwiderarbeiten. Und doch dürfte, wenn erst die Philosophie ganz und garunterdrückt und beseitigt ist, auch die Zeit herankommen, in welcherin naturwissenschaftlichen Facultäten ein Reichenbach die Odlehre vor-trägt, oder ein Richer das Newtonsche Gesetz widerlegt. In der Philo-sophie ist der Denkfrevel leichter zu begehen und leichter zu bemänteln.Es giebt kein so sinnlich klares und logisch gewisses Kriterium des Ge-sunden und Wahren, wie in der Naturwissenschaft. Wir wollen einst-weilen als Nothbehelf eins vorschlagen. Wenn die Naturforscher sichfreiwillig der Philosophie wieder nähern, ohne deshalb an der Strengeihrer Methode auch nur ein Titelchen zu ändern; wenn man zu erkennenbeginnt, dass alle Fa'cultätsunterschiede überflüssig sind; wenn die Phi-losophie, statt ein Extrem zu sein, vielmehr das Bindeglied zwischenden verschiedensten Wissenschaften abgiebt und einen fruchtbaren Aus-tausch der positiven Resultate vermittelt: dann wollen wir annehmen,dass sie auch ihrer Hauptaufgabe wieder zugewandt ist, dem Jahr-hundert die Fackel der Kritik voranzutragen, die Strahlen der Erkennt-niss in einen Brennpunkt zu sammeln und die Revolutionen der Ge-schichte zu fördern und zu lindern.
Die Vernachlässigung der Naturwissenschaften in Deutschlandstammt aus derselben conservativen Tendenz, wie die Unterdrückung undVerfälschung der Philosophie. Vor allen Dingen hat es an Geldmitt elngefehlt, und es wird leider noch lange dauern, bis wir in dieser Be-ziehung den Vorsprung Englands und Frankreichs eingeholt haben.Herr von Mohl sah in dem physikalischen Cabinet einer deutschen Uni-versität „eine Schrecken erregende Maschine, welche eine Luftpumpevorstellen sollte. Die academische Commission, deren Bewilligung undAnordnung die Anschaffungen des Physikers unterlagen, hatte decretirt,damit die Arbeit nicht einem auswärtigen Mechaniker zugewendet werde,die Luftpumpe einem Spritzenmacher in Accord zu geben.“ Dies giebtVeranlassung, über die Bevormundung des Physikers durch seine Fa-cultätsgenossen zu seufzen. Ist aber ein ordentlicher Etat für solcheAnschaffungen zur freien Disposition des Physikers nicht denkbar ohneTrennung der Facultäten? Und ist nicht auch bei dem gegenwärtigen