Die neueren Naturwissenschaften.
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Zustande der Dinge grade der Philosoph, welcher die wissenschaftlichenMethoden und die Voraussetzungen ihrer Anwendung kennen muss, dernatürliche Bundesgenosse des Physikers?
Doch nein! Da sitzt der Haken. Ein Descartes, Spinoza, Leibnitz,Kant würden diese Rolle spielen; die Mehrzahl unserer gegenwärtigenPhilosophie-Professoren aber— da hat Herr von Mohl recht; nur sollteer die Schuld nicht auf die Philosophie selbst, ja geradezu auf dasWesen des philosophischen Denkens schieben, wenn heutzutage einsolches Zusammenwirken nicht leicht zu erwarten ist. Von Mohl glaubtan den „tödtlichen Einfluss“ der Naturphilosophie auf die Natur-forschung. Er findet die Ursache dieser schrecklichen Erscheinung „inder Verschiedenheit der Grundsätze, von welchen die beiden ausgehen,und in der Verschiedenheit der Methode, welche sie bei wissenschaft-lichen Untersuchungen befolgen.“ Ergiebt zwar zu, dass auch der Philo-soph auf die Erfahrung Rücksicht nimmt, und dass anderseits auch derNaturforscher häufig a priori verfahre; der grosse Unterschied soll aberdarin liegen, dass der Philosoph stets annimmt, dass seine Ideen innere-Wahrheit enthalten und mit der Wirklichkeit übereinstimmen, währendder Naturforscher sich bescheiden durch die Thatsaclien leiten lässt undseine liebsten Ideen zu opfern bereit ist,wenn die Erfahrung nicht zustimmt.
In diesem Gegensatz zeigt sich recht schlagend die dilettantischeAuffassung der Philosophie, die wir berichtigen möchten.
Gewiss wird Niemand behaupten, dass die Architectur dem Stein-bruchbetrieb schädlich sei, weil der Architect sein Werk für vollendethält, sobald er die Schlüssel überliefern kann, während im Steinbruchimmer neue Gänge geschlagen, immer reichere und bessere Bausteinegesucht werden. Es wäre aber ein närrisch Ding, wenn alle Arbeiter imSteinbruch von der Bauwuth ergriffen würden, und, statt emsig weiterzu graben und zu sprengen, ihre Zeit damit hinbrächten, das gewonneneMaterial auf ihrem Werkplatz selbst zu allerlei sonderbaren gothischenHallen und babylonischen Thürmen zusammeuzufügen, welche wiederabgetragen werden, wenn ein Käufer das Material zu einem Schleusen-bau oder einem Viaduct für eine Eisenbahn haben will.
Wir verlangen von dem heutigen Naturforscher mehr philoso-phische Bildung; aber nicht mehr Neigung, selbst originelle Systeme zumachen. Im Gegentheil, in dieser Beziehung sind wir den Schaden dernaturphilosophischen Zeit noch immer nicht los: der Materialismus istder letzte Ausläufer jener Epoche, wo jeder Botaniker oder Physiologeauch glaubte, die Welt mit einem System beglücken zu müssen.