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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die neueren Naturwissenschaften.

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mustergültig wurden. Sie stehen in engster Beziehung je zu einem be-stimmten praktischen Lebensberuf; denn die philosophischeFacultät wurdenur durch die Ablösung der drei andern ein besondres Ganze. Sie bliebdie allgemeine Facultät gegenüber den drei speciellen; theils der gemein-samen Vorbereitung auf die Fachstudien gewidmet, theils der freienWissenschaft. Alle neu entstehenden Wissenschaften fielen ihr natur-gemäss zu, sofern sie nicht zu einem Fachstudium in engster Beziehungstanden. Wäre das ursprüngliche Bildungsprincip der Universitätenlebendig geblieben, so hätten sich vielleicht schon mehrere neue Facul-täten genau im Sinne der bestehenden bilden können; so z. B. eine came-ralistische, eine pädagogische, eine landwirtschaftliche. An sich istnichts dagegen einzuwenden, dass nun auch einmal eine neue Facultätnach einem neuen Princip gebildet wird; wir möchten nur feststellen^dass dies so ist, und uns dann das neue Princip etwas näher betrachten.Wir haben einen förmlichen Krieg der Facultäten vor uns, in welchemjedenfalls die Philosophen die traurigste Rolle spielen. Die Medicinerbeantragen zuerst die Errichtung der naturwissenschaftlichen Facultät.Die Naturforscher wollen sämmtlich aus den mütterlichen Armen derfacultas artium scheiden. Ihre bisherigen Collegen wollen sie nicht los-lassen; ein förmlicher Emancipationsstreit! Man begreift, dass ein demSchulfach entsprossener Philologe sich durch die Rücksicht auf eine ge-wisse Einheit in der Bildung zukünftiger Lehrer zu weit führen lässt;ein wirklicher Philosoph aber sollte niemals einem thatsächlich em-pfundenen Bedürfniss nach solcher Trennung durch starres Festhaltenbestehender Zustände entgegentreten. Er sollte sich vielmehr fragen,worin die abstossende Kraft begründet liegt, welche die Trennungfordert; er sollte sich bemühen, durch seine eignen Leistungen sichdenen, die er festhalten will, unentbehrlich zu machen. Hat eine Uni-versität keine Männer, die in einem solchen Falle über dem Streitstehen und vor allem nach der inneren Seite der Sache fragen, sohat sie überhaupt keine Philosophen. Wenn Feuerbach behauptet, es seiein specifisches Kennzeichen eines Philosophen, kein Professor der Phi-losophie zu sein, so ist das eine arge Uebertreibung; allein so viel ist ge-wiss, dass gegenwärtig ein selbständiger und freimüthiger Denker nichtleicht einen öffentlichen Lehrstuhl in Deutschland erlangen wird. Manklagt über Vernachlässigung der Naturwissenschaften; man könnte überErdrosselung der Philosophie klagen. Es ist den Tübinger Natur-forschern nicht übel zu nehmen, wenn sie sich von einem todten Körperlos zu machen suchen; allein es muss bestritten werden, dass diese