Die neueren Naturwissenschaften.
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muss den Physiologen verstehen; für diesen aber ist es Geschmacks-sache oder wenn man will Bedürfnissfrage, ob er dem Metaphysikernoch länger zuhören will.
Wenn wir vom Naturforscher höhere philosophische Bildung ver-langen, so ist es auch durchaus nicht die Speculation, die wir ihm sodringend anempfehlen möchten, sondern die philosophische Kritik, dieihm grade deswegen unentbehrlich ist, weil er selbst doch niemals inseinem eignen Denken, trotz aller Exactheit der Specialforschung, diemetaphysische Speculation ganz wird unterdrücken können. Eben umseine eignen transscendenten Ideen richtiger als solche zu erkennen undsie sicherer von dem zu unterscheiden, was die Empirie giebt, bedarf erder Kritik der Begriffe.
Wenn nun der Philosophie hierin ein gewisses Richteramt zuge-sprochen wird, so ist das auch keine Anmassung einer .Bevormundung.Denn abgesehen davon, dass Jeder in diesem Sinne Philosoph sein kann,welcher die allgemeinen Denkgesetze zu handhaben versteht, so beziehtsich auch der Richterspruch nie auf das eigentlich Empirische, sondernauf die mit untergelaufene Metaphysik oder auf die rein logische Seiteder Schlussfolgerung und Begriffsbildung. Was soll daher der Vergleichdes Verhältnisses der Naturwissenschaften zur Philosophie mit der Stel-lung der Philosophie zum Dogma des Theologen? Soll damit wiederdas Bedürfniss einer Emancipation angedeutet werden, so haben wireinen starken Anachronismus vor uns. Die Philosophie hat nicht mehrihre Freiheit von theologischen Dogmen erst zu verlangen. Das istdurchaus selbstverständlich, dass sie sich nach diesen in keiner Weisezu richten hat. Sie wird aber umgekehrt jederzeit das Recht in An-spruch nehmen, diese Dogmen dennoch zu berücksichtigen und zwarals Objecte ihrer Forschung. Das Dogma ist dem Philosophen keinnaturwissenschaftlicher Lehrsatz, sondern der Ausdruck der Glaubens-richtung und der speculativen Tbätigkeit einer geschichtlichen Periode.Er muss das Entstehen und Vergehen der Dogmen im Zusammenhangmit der culturgeschichtlichen Entwicklung der Menschheit zu begreifensuchen, wenn er seine Aufgabe auf diesem Gebiete lösen will.
Die exacte Forschung vollends muss für jeden Philosophen dastägliche Brod sein. Mag der Stolz des Empirikers es vorziehen, sichauf ein Feld für sich zurückzuziehen; er wird den Philosophen doch nie-mals hindern können, ihm zu folgen. Es ist keine Philosophie auf demStandpunkt der Gegenwart mehr denkbar ohne die exacte Forschung,und eben so sehr bedarf die exacte Forschung der beständigen Läute-