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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.
rung durch die philosophische Kritik. Es ist kein Dilettantismus, wennder Philosoph sich mit den wichtigsten Resultaten und den Forschungs-methoden sämmtlicher Naturwissenschaften bekannt macht; denn diesStudium ist die nothwendige Basis aller seiner Operationen. So ist esauch kein Dilettantismus, wenn der Naturforscher sich eine bestimmte,geschichtlich und kritisch begründete Ansicht über den Denkprocess derMenschheit verschafft, an den er doch trotz aller scheinbaren Objectivi-tät seiner Untersuchungen und Folgerungen unauflöslich geknüpft ist.Grade das aber möchten wir verwerflichen Dilettantismus nennen —ohne übrigens zu leugnen, dass bevorzugte Geister beide Gebiete wirk-lich umfassen mögen — wenn der Philosoph nach Baco’s Weise mit un-geschultem Sinn und ungeübter Hand in Experimenten herumpfuscht,und wenn der Naturforscher, ohne sich darum zu bekümmern, was vorihm gedacht und gesagt ist, mit willkürlicher Behandlung der über-lieferten Begriffe sich selbst ein metaphysisches System zusammen-würfelt.
Nicht minder wahr ist es aber, dass Philosoph und Naturforscherdirect fördernd auf einander ein wirken können, wenn sie sich auf denBoden begeben, der beiden gemeinsam ist und bleiben muss: die Kritikdes Materials der exacteu Forschung in Beziehung auf die möglichenFolgerungen. Vorausgesetzt, dass man sich wirklich beiderseits einerstrengen und nüchternen Logik bedient, werden die erblichen Vor-urtheile dadurch in ein wirksames Kreuzfeuer gebracht, und damit istbeiden Theilen gedient.
Was soll nun die Theorie des gegenseitigen Gehenlassens wegengänzlicher Unmöglichkeit der Verständigung? Es will uns bedünken,als sei gerade in diesem Princip die höchste Einseitigkeit des Mate-rialismus ausgesprochen. Die Folgen einer allgemeinen Anwendungdieses Princips würden sein, dass Alles in egoistische Cirkel zerfällt.Die Philosophie unterliegt vollends dem Zunftgeist der Facultäten. DieReligion — und auch dies gehört zum ethischen Materialismus — stütztsich in Gestalt crasser Orthodoxie auf den Grundbesitz und die politi-schen Rechte der Kirche; die Industrie jagt seelenlos dem momentanenUnternehmergewinn nach; die Wissenschaft wird zum Schiboleth einerexclusiven Gesellschaft; der Staat neigt zum Cäsarismus.
Wenn der Gang der Geschichte uns mit der Catastrophe verschont,die aus einem solchen Zustand der Dinge folgen müsste, so wird sichvorher unter einem allgemeinen Aufschwung des Idealen auch die Phi-losophie im Bunde mit den exacten Wissenschaften neu erheben müssen.