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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die neueren Naturwissenschaften.

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Phantasieen zu seiner natürlichen Geltung gekommene gesundeMenschenverstand. Auch Mill sucht im Eingänge -seiner induktivenLogik zu beweisen, dass die Logik der Wissenschaft zugleich dieLogik der Geschäfte und des täglichen Lebens ist, ohne sich jedochüber den Standpunkt einer vagen und inhaltleeren Verallgemeinerungzu erheben; sein ganzes Werk zeigt aber, dass die induktiven Wissen-schaften eines kunstvollen Apparates zur Erlangung ihrer Resultatebedürfen, welcher im täglichen Leben keineswegs angewandt wird.Allerdings hat das Verfahren eines umsichtigen Kaufmannes, welcherbei der Aufstellung des Calculs für ein Exportgeschäft eine bedeu-tende Reihe von Faktoren in Betracht zieht, grosse Aehnlichkeit mitdem Verfahren des Naturforschers; allein gerade hier handelt essich auch durchaus nicht um eine unmittelbare Schöpfung desgesunden Menschenverstandes, sondern um eine Kunst, welche ausder Ueberlieferung und Erfahrung von Jahrhunderten sich gebildethat, und welche bei alledem durch Anwendung strengerer Methodennoch grosser Vervollkommnung fähig wäre. Wie die Naturforschungin ihrer Kindheit den Blick bloss auf das vereinzelte Faktum ge-richtet hat, so der Handel auf das nackte Geschäft. Mit Berück-sichtigung der Temperatur, bei welcher das Phänomen stattfand,mit dem Messen der verlaufenen Zeit, der Berücksichtigung des Be-obachtungsfehlers und andern Operationen kann man die Beachtungdes Geldmarktes, die Berechnung der Zahlungsfrist, des del Credereund zahlreiche andre Faktoren vergleichen, deren berechnende An-wendung eine Kunst ist, wie das zweckmässige Denken überhaupt.Die Geschichte zeigt uns keine Spur von einem solchen plötzlichenHervorspringen des gesunden Menschenverstandes nach blosser Be-seitigung einer störenden Phantasie; sie zeigt uns vielmehr überall,wie die neuen Ideen sich trotz des entgegenstehenden VorurtheilsBahn brechen, wie sie mit dem Irrthum selbst, den sie beseitigensollen, sich verschmelzen oder zu irgend einer schiefen RichtungZusammenwirken, und wie die völlige Beseitigung des Vorurtheils inder Regel nur die letzte Vollendung des ganzen Processes ist, gleich-sam das Putzen der fertig gearbeiteten Maschine. Ja — um derKürze wegen beim Bilde zu bleiben — der Irrthum erscheint histo-risch oft genug als der Mantel, in welchem die Glocke der Wahrheitgegossen wird, und der erst nach Vollendung des Gusses zerschlagenwird. Das Verhältniss der Chemie zur Alchemie, der Astronomiezur Astrologie mag dies erläutern. Dass die wichtigsten positiven

Lange, Gesch. d. Mat. 22