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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.
Resultate erst nach Vollendung der Grundlagen der Wissenschaft ge-wonnen werden, • ist natürlich. Wir verdanken Copernikus im Ein-zelnen sehr wenig von unsrer heutigen Kenntniss des gestirntenHimmels; Lavoisier, welcher in der Ursäure, die er suchte, nochden letzten Rest der Alchemie mit sich trug, würde ein Kind in unsrerheutigen Chemie sein. Wenn die richtigen Grundlagen einer Wissen-schaft geschaffen sind, findet sich allerdings eine grosse Menge vonFolgerungen mit verhältnissmässig geringer Geistesarbeit von selbst;eine Glocke zu läuten ist eben leichter, als eine zu giessen. Woaber ein principiell bedeutender Schritt vorwärts gemacht wird, er-blickt man fast immer dasselbe Schauspiel: eine neue Idee greiftPlatz trotz des Vorurtheils; anfänglich vielleicht gar gestützt aufdasselbe. In ihrer Entfaltung erst sprengt sie die morschen Hüllen.Wo diese Idee, dies positive Streben nicht da ist, hilft die Besei-tigung des Vorurtheils zu gar nichts. Im Mittelalter waren Vielefrei von dem Glauben an die Astrologie; zu allen Zeiten finden sichSpuren kirchlicher und weltlicher Opposition gegen diesen Aberglau-ben; aber nicht aus solchen Kreisen ging die Astronomie hervor,sondern aus denen der Astrologen.
Das wichtigste Resultat der geschichtlichen Betrachtung ist dieakademische Ruhe, mit welcher unsre Hypothesen und Theorieenohne Feindschaft und ohne Glauben als das betrachtet werden, wassie sind: als Stufen in jener unendlichen Annäherung an die Wahr-heit, welche die Bestimmung unsrer intellektuellen Entwicklung zusein scheint. Damit ist denn freilich jeder Materialismus, inso-fern derselbe mindestens ein Glauben an die transscendente Existenzdes Stoffes voraussetzt, ganz und gar aufgehoben. Was aber denFortschritt in den exakten Wissenschaften betrifft, so wird gewissnicht derjenige am meisten zu Entdeckungen befähigt sein, welcherdie gestrige Theorie verachtet und auf die heutige schwört, son-dern derjenige, welcher in allen Theorieen nur ein Mittel erblickt,sich der Wahrheit zu nähern und die Thatsachen zu überblicken ,und für den Gebrauch zu beherrschen.
Aber machen wir damit nicht selbst gerade die Beseitigung einesVorurtheils zur Grundbedingung des wissenschaftlichen Fortschritts?Ja, wenn nicht eben die Beseitigung des Glaubens an die Theorieeneine Folge der unzähligen Fortschritte wäre, welche bereits trotzder Theorieen gemacht wurden: eine Induktion in grossem Maassstabe,gestützt auf Thatsachen, welche alle noch unter der Herrschaft