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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.
Warum nicht? Weil die Materialisten die organischen Stoffe mitden organischen Tlieilen verwechselt haben? Das kann doch keinGrund für jene Behauptung sein. Man kann die Verwechslung cor-rigiren, so bleibt die Frage nach der chemischen Darstellbarkeit derZelle doch noch immer eine offene und dabei eine nicht ganz müssige.Eine Zeit lang glaubte man, dass die Stoffe der organischen Chemienur im Organismus entstehen könnten. Dieser Glaube ist gefallen.Jetzt sollen wir glauben, dass der Organismus selbst nur durch Or-ganismen entstehen kann. Ein Glaubensartikel ist todt; es lebe seinNachfolger! Sollen wir nicht lieber den Schluss machen, dass esmit dem wissenschaftlichen Werth solcher Dogmen überhaupt nichtweit her ist? Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn der eineForscher diese Alternative, der andre die entgegengesetzte mit Vor-liebe erfasst. Wir wollen sogar Liebigs vitalistische Metaphysik gel-ten lassen, wenn sie ihn zu seinen Forschungen begeistert. Dies istder praktische Standpunkt. Nur in der Philosophie möchten wir be-haupten, dass dieser Vitalismus ein eben so vollständig überwundenerStandpunkt ist, als der Materialismus.
Wir haben bisher zu zeigen versucht, dass der Materialismus,weit entfernt, mit der exakten Naturforschung nothwendig zusammen-zuhängen, vielmehr nur in eine leicht lösliche Verbindung mit ihr ge-rathen ist. Philosophische und geschichtliche Kritik dienen dazu, dieexakte Forschung zu läutern, in ihrem eignen Gebiet sicherer zumachen und sie gleichsam durch Niederschlagung alles Metaphysi-schen abzuklären. In dem Niederschlag, der durch diesen Process ausder exakten Forschung entfernt jvird, finden wir aber nicht nur den Ma-terialismus wieder, sondern auch die ihm entgegengesetzten metaphy-sischen Anschauungen. Es bleibt nun immer noch die Frage übrig, wiedenn der Materialismus in seiner Verschmelzung mit der naturwissen-schaftlichen Forschung auf die exakte Methode und ihre Erfolge einwirkt.
Im Alterthum war der Materialismus arm an grossen Schöpfun-gen auf dem Gebiete der Wissenschaft. Wir sahen, wie die bedeu-tendsten Erfinder in der Regel Idealisten waren. Dennoch schriebenwir dem Materialismus einen mächtigen und günstigen Einfluss aufdie Entfaltung der Wissenschaften zu. Wir fanden in Demokrits-Atomenlehre eine aufklärende Wirkung, die auch den übrigen Syste-men zu gute kam. Den Werth dieser Theorie für die nüchterneBewältigung der Erscheinungswelt haben wir (S. 68) geschildert.Wir fanden sogar, dass man für das Alterthum von einer materia-