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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.

Concentration und Ausdauer; besonders endlich auch in seinem Ueber-fluss an methodischen Einfällen und Schleichwegen, welche denbrauchbaren Theil der Methode überwuchern und der Willkür undWeichlichkeit Ausflüchte darbieten, während sie praktisch gar nichtanzuwenden sind. Hätte Baco nur den Begriff der Induktion entwickeltund die keineswegs bedeutungslose Lehre von den negativen und denPrärogativen Instanzen, so würde seine, eigne Methode ihn zu grössererStetigkeit genöthigt haben. So aber erfand er sich die schwanken-den und jeder Willkür Thür und Thor öffnenden Classifikationender instantiae migrantes, solitariae, clandestinae u. s. w. gewiss indem dunkeln Drang, seine Lieblingsideen beweisen zu können. Dassihn bei seinen Untersuchungen keine Idee geleitet habe, scheint unskeineswegs der Fall; vielmehr das Gegentheil. Seine Lehre vonder Wärme z. B., welche Liebig so schonungslos aufdeckt, sieht ganznach einer vorgefassten Meinung aus.

ln der Ueberladung seiner Beweistheorie mit unnützen Begriffenverräth Baco die Nachwirkungen der Scholastik, die er bekämpft;allein es waren nicht die Begriffsgespenster, welche ihn hinderten,mit Erfolg zu forschen, sondern es war der gänzliche Mangel der-jenigen Eigenschaften, welche zur Forschung überhaupt befähigen.Baco hätte eben so wenig einen alten Autor kritisch herausgebenkönnen, als er ein ordentliches Experiment machen konnte.

Es ist grade eine Eigenthiimlichkeit der fruchtbaren Ideen, dasssie sich in der Regel erst bei eingehender und beharrlicher Be-schäftigung mit einem bestimmten Gegenstände entwickeln; eine solcheBeschäftigungsweise kann aber auch ohne leitende Theorieen frucht-bar sein. Copernikus widmete sein ganzes Leben den Himmelskör-pern; Sanctorius seiner Wage: der erstere hatte eine leitende Theorie,die schon in frühen Jahren aus Philosophie und Beobachtung ent-sprang. War nicht aber auch Sanctorius ein Forscher?

Wo Liebe und Sinn für das Objekt der Forschung vorhan-den ist, ist nicht leicht zu fürchten, dass der Empirismus zum blossenHerumtappen werde. Durch den beharrlichen Verkehr mit dem Ob-jekt, welches der Forschung unterliegt, regelt sich diese bis zu einemgewissen Grade von selbst. Es entstehen dann entweder halb un-bewusste Maximen über die Wahl der Experimente, oder auchleitende Ideen, welche aber noch lange nicht, wie Liebig aufstellt,die Forschung zu einer deduktiven machen, bei der das Experimentnur die Rolle eines Rechenexempels spielt.