Die neueren Naturwissenschaften.
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St. F. Geoffroy, um diese Zeit (1718 und später) eine der bedeu-tendsten Autoritäten, was chemische Verwandtschaft angeht, vermiedden Gebrauch desselben; statt zu sagen: zwei vereinigte Stoffe werdenzersetzt, wenn ein dritter dazu kommt, der zu einem der beidenvorigen mehr Verwandtschaft hat, als diese unter sich, drückt ersich aus: wenn er zu einem derselben mehr rapport hat.“ Sostellt sich ein Wort zur rechten Zeit nicht nur da ein, wo Begriffefehlen, sondern auch da, wo Begriffe zu viel sind. Thatsächlichsteckt in beiden Ausdrücken nichts, als eine Substantivirung desblossen Vorganges. Der blässere Ausdruck weckt weniger störendeNebenvorstellungen, als der gefärbte. Das könnte zur Vermeidungvon Irrthiimern beitragen, wenn überhaupt Begriffe und Namen dermethodischen Wissenschaft gegenüber so gefährlich wären. Die Er-fahrung, welche die Geschichte der Wissenschaft mit dem Begriff derAffinität gemacht hat, zeigt, dass die Gefahr nicht so gross ist, wenndie thatsächliche Forschung einen strengen Weg wandelt. Die visocculta verliert ihren mystischen Zauber und sinkt von selbst herabzum bloss zusammenfassenden Oberbegriff für eine Classe von genaubeobachteten und streng begrenzten Erscheinungen.
Noch Bergmann (1775 und später) dachte sich die Atome ver-schieden an Gestalt und machte die Verschiedenheiten in der Affini-tät von der verschiednen Form abhängig. Ein neues Stück der Vor-stellungsweise der Epikureer fiel, als Dalton den wirksamen Unter-schied der Atome in das Gewicht versetzte und alle Atome, ohneübrigens hierüber ein Dogma aufzustellen, als kugelförmig ansah.Das Atomgewicht wurde die Idee, in deren Verfolgung die Wissen-schaft namentlich in Berzelius Händen die wichtigsten bleibendenFortschritte machte. Bald fanden sich auch thatsächliche Entdeckun-gen, welche zu der atomistischeii Hypothese vortrefflich passten.Dulong und Petit fanden 1819, „dass für die einfachen Körperdie specifische Wärme dem Atomgewicht umgekehrt proportionalist;“ ein Jahr darauf machte Mitscherlich die Entdeckung desIsomorphismus bekannt. Während jene Entdeckung die Lehrevom Atomgewicht zugleich bestätigte und in einzelnen Punkten ver-besserte, schien die Uebereinstimmung zwischen Krystallform undMischungsform gradezu einen Blick in die Lagerungsverhältnisseder Atome zu eröffnen.
Bedenkt man, dass um dieselbe Zeit in der Physik die Vibra-tion stlieorie ihre Triumphe feierte, welche ebenfalls auf den