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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die neueren Naturwissenschaften.

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Theorie nicht mehr durch direkte stoffliche Berührung bewirkt, sonderneben durch jene ganz und gar unsinnlichen Kräfte. Unsre Materialistenhalten am sinnlichen Stofftheilchen fest, eben weil sie der unsinn-lichen Kraft noch ein sinnliches Substrat lassen wollen. Um solcheGemüths-Bedürfnisse konnten sich die französischen Physiker nichtkümmern. Naturwissenschaftliche Gründe für die Ausgedehntheit derAtome schien es nicht mehr zu geben; wozu also den unnützen Be-griff weiter schleppen?

Gay-Lussac fasste die Atome nach Analogie der verschwin-denden Grösse des Differenzials als unendlich klein im Vergleich zu denKörpern, die sich aus ihm zusammensetzen. Ampere und Cauchybetrachteten die Atome als im strengsten Sinn ohne alle Ausdehnung.Eine ähnliche Ansicht sprach Seguin aus, und Moigno stimmt diesembei, und würde nur statt der ausdehnungslosen Körper mit Faradayeinfache Kraftcentra vorziehen.

So wären wir denn durch die blosse Fortbildung des Atomismusmitten in die dynamische Naturauffassung gerathen, und zwar nichtdurch die spekulative Philosophie, sondern durch die exakten Wissen-schaften.

Es hat einen eigenthümlichen Beiz für den stillen Beobachter, zusehen, wie der geistreiche Naturphilosoph und Physiker, dem wir dieobigen Notizen über Ampere, Cauchy, Seguin und Moigno verdanken,sich selbst zur Atomistik stellt. Fechner, der ehemalige SchülerSchellings, der Verfasser des mystischen und mythischen Zend-Avesta,Fechner, der selbst ein lebendiges Beispiel dafür ist, dass selbst eineschwärmerische Philosophie den Geist wahrer Forschung nicht immervergiftet, hat grade seine Atomenlehre (Leipzig 1855) dazu be-nutzt, um der Philosophie einen Absagebrief zu schreiben, gegenwelchen selbst Büchners Aeusserungen noch einigermaassen schmeichel-haft scheinen können. Was wir im vorigen Abschnitt über das Ver-hältniss der Philosophie zur Naturforschung an von Mohls Adressegerichtet haben, ist hier nicht zu wiederholen; denn in der That istder Grundfehler bei beiden Männern derselbe: eine völlige Verkennungder Philosophie, welche darin beruht, dass man eine vorübergehendeAusartung mit ihrem wahren Wesen verwechselt. Alle die geist-reichen Wendungen Fechners, die zahlreichen, erfinderisch geschaf-fenen Bilder und Vergleiche, die scharfsinnigen Argumente laufendoch schliesslich nur darauf hinaus, dass Fechner jeden Philosophenhinter der Ofenbank sucht, hinter welcher er selbst gesteckt hat.