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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die neueren .Naturwissenschaften.

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war bisher in seinen Arbeiten von der Continuität der Materie aus-gegangen; fand aber eine Schwierigkeit darin, von dieser Voraus-setzung aus sich die Fortpflanzung der transversalen Lichtschwin-gungen zu erklären, auf welche doch die Thatsache der Interferenz-Erscheinungen hinleitete. Fresnel machte ihn darauf aufmerksam, dassalle Schwierigkeiten verschwinden, sobald man die Aetliertheilchendiscret setzt, und von Stund an legte Poisson diese Auffassung seinenferneren Untersuchungen zu Grunde.

Vom Standpunkte des Physikers aus war die Frage erledigt;denn ihn konnte es nicht kümmern, dass es eine dritte Auffassunggab, welche weder Poisson noch Fresnel gehabt hatten. Es ist näm-lich sehr einfach die Annahme übrig, dass zwischen den Aether-theilchen wieder eine Materie verbreitet sei, welche im Vergleichzu diesen nur eine in der Rechnung verschwindende Dichtig-keit hat, welche sich also zum Aether ähnlich verhält, wie dieser zuden Körpern. Es bleibt dann ganz dem Belieben des Metaphysikersüberlassen, sich diesen Aether-Aether wieder nach bestimmten Kraft-ccntren zu gliedern und zwischen diesen wieder eine noch unendlichviel feinere Substanz anzunehmen, et sic in infinitum. Interessant ist,dass auch Büchner gelegentlich den daraus hervorgehenden Begriffeiner relativen Leere anwendet. In der That dürfte dieser Begriff,den man nun so weit ausspinnen mag, als man Lust hat, den Anfor-derungen der exakten Wissenschaften sogar am besten entsprechen;denn irgend eine metaphysische Voraussetzung müssen diese doch an-wenden, und da können sie am besten eine solche brauchen, welchenach Analogie des Erfahrungsinhaltes gebildet ist. Die Erfahrunggiebt uns nur Relationen. Die absolute Kälte ist ebenso in das Reichder Träume verwiesen, wie die in sieben Himmel eingeschlossne Welt.Es scheint fast in der Welt des Grossen und Kleinen eben so wenigAnfang und Ende zu geben, wie im Raum und in der Zeit. Warumsollen nicht die Begriffe des Vollen und Leeren grade so gut blossrelativ sein, als die der Wärme und Kälte, der Schnelligkeit undLangsamkeit? Es würde sich durch diese Annahme, die übrigens inkeiner Weise dogmatische Geltung beanspruchen darf — eben weil siemetaphysisch ist — der Streit zwischen Atomen und Kraftcentren sein-gut schlichten lassen.

In der That giebt es noch empirische Gründe, welche den blossenKraftcentren, für welche sich Fechner ausspricht, Schwierigkeiten be-reiten. Redtbnbacher, welcher sich um die Anwendung einer ge-