368
Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.
sunden mathematischen Naturphilosophie auf die Lehre von den Mole-kularbewegungen vorzügliche Verdienste erworben hat, construirt seineMoleküle aus „Dynamiden.“ Er versteht darunter körperliche, Schwer-kraft ausübende und ausgedehnte Atome, welche von einer Atmosphärediscreter, mit abstossender Kraft versehener Aethertheilchen umgebensind. Im Verhältniss zu diesen ist also das Körperatom nicht nur ausgedehnt, sondern sogar ausserordentlich gross vorzustellen. Der Grund-weicher ihn bestimmt, Cauchys punktuelle Atome zu verwerfen, liegtin der Nothwendigkeit, für die Schwingungen der körperlichen Atomein verschiednen Richtungen verschiedne Elasticität derselben anzu-nehmen.
„Da wir ein Dynamidensystem mit Elasticitätsachsen voraussetzen,so müssen wir nothwendig die Atome als kleine Körperchen von be-stimmter, wenn auch unbekannter Gestalt betrachten, denn nur, wenndie Atome axige Gestalt haben und nicht blosse Punkte oder Kügelchensind, kann im Gleichgewichtszustand eine ungleiche Elasticität nachverschiednen Richtungen vorhanden sein. Cauchy legt seinen Unter-suchungen ein aus Körperpunkten bestehendes Medium zu Grunde,nimmt aber gleichwohl an, dass die Elasticität um jeden Punkt herumnach verschiednen Richtungen verschieden sei. Dies ist ein Wider-spruch, ist eine Unmöglichkeit, daher eine schwache Seite von CauchysTheorie.“
Will man nun aber die unserm Verstände wenig zusagende An-nahme vermeiden, dass es Körper gebe, welche im Verhältniss zuandern (den Aethertheilchen) unendlich gross und doch gänzlich un-theilbar sind, so bietet sich wieder der einfache Ausweg dar, dasKörperatom, welches den Kern der Dynamide bildet, nur als relativuntheilbar anzusehen, nämlich als untheilbar, so weit unsre Erfahrungund unsre Rechnung ,6s fordern. Es mag dann axige Gestalt habenund wieder aus unendlich vielen unendlich viel kleineren Unteratomenvon ähnlicher Gestalt zusammengesetzt sein. Diese Annahme kannohne irgend eine erhebliche Aenderung zu fordern durch alle Rech-nungen laufen, welche Redtenbacher angestellt hat. Es ist harm-lose Metaphysik, kann weder eine Entdeckung veranlassen, noch eineverhindern. Und wenn man zur Bequemlichkeit für den Physikerdahin übereinkommt, den relativ leeren Raum als absolut leer zubetrachten, den relativ untheilbaren Körper als absolut untheilbar,so bleibt Alles beim Alten. Der Mathematiker namentlich, welchergewohnt ist, die höheren Potenzen einer unendlich kleinen Grösse