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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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373
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Die neueren Naturwissenschaften.

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verfeinert, dasselbe Bedtirfniss, welches einst die Menschen trieb,Busch und Quell, Fel3, Luft und Meer mit Geschöpfen ihrer Ein-bildungskraft zu bevölkern. Was ist gewonnen, wenn man sagt, essei die gegenseitige Anziehungskraft, wodurch zwei Stofftheilchen sicheinander nähern? Nicht der Schatten einer Einsicht in das Wesendes Vorgangs. Aber, seltsam genug, es liegt fiir das innenwohneudeTrachten nach den Ursachen eine Art von Beruhigung in dem un-willkürlich vor unserm innern Auge sicli hinzeichnenden Bilde einerHand, welche die träge Materie leise vor sich herschiebt, oder vonunsichtbaren Polypenarmen, womit die Stofftheilchen sich umklammern,sich gegenseitig an sich zu reissen suchen, endlich in einen Knotensich verstricken.“

So viel Wahres diese Worte enthalten, so ist dabei doch über-sehen, dass der Fortschritt der Wissenschaften uns dazu gebrachthat, mehr und mehr Kräfte an die Stelle der Stoffe zu setzen, unddass auch die fortschreitende Genauigkeit der Betrachtung mir denStoff mehr und mehr in Kräfte anflöst. Die beiden Begriffe stehendaher nicht so einfach als Abstraktionen nebeneinander, sondern dereine wird durch Abstraktion und Forschung in den andern aufgelöst,so jedoch, dass stets noch ein Rest bleibt. Abstrahirt man von derBewegung eines Meteorsteines, so bleibt unserer Betrachtung derKörper selbst übrig, der sich bewegte. Ich kann ihm seine Formnehmen durch Aufhebung der Cohäsionskraft seiner Theile: dann habeich noch den Stoff. Ich kann diesen Stoff zerlegen in die Elemente,indem ich Kraft gegen Kraft setze. Schliesslich kann ich mir die elemen-taren Stoffe in Gedanken in ihre Ato'rne zerlegen, dann sind diese deralleinige Stoff und alles Andre ist Kraft. Löst man nun mit Ampereauch das Atom noch auf in einen Punkt ohne Ausdehnung und dieKräfte, die'sich um ihn grnppiren, so müsste der Punkt, „das Nichts“der Stoff sein. Gehe ich in der Abstraktion nicht so weit, so ist mirein gewisses Ganze noch schlechthin Stoff, was mir sonst als eineVerbindung stofflicher Theile durch zahllose Kräfte erscheint. Miteinem Worte: der unbegriffene oder unbegreifliche Rest unsrer Analyseist stets der Stoff, wir mögen nun so weit vorschreiten, wie wir wollen.Dasjenige, was wir vom Wesen eines Körpers begriffen haben, nennenwir Eigenschaften des Stoffes, und die Eigenschaften führen wir zu-rück auf „Kräfte“. Daraus ergiebt sich, dass der Stoff allemal das-jenige ist, was wir nicht weiter in Kräfte auflösen können oder wollen.Unser „Hang zur Personifikation“ oder wenn man mit Kant reden