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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.

miihung darzuthun.“ Wir fügen hinzu: „der Philosophie, nicht meta-physische Erkenntnisse zu sammeln, sondern zu zeigen, dass wir überden Kreis der Erfahrung nicht hinaus können.“

Bevor wir nun zu den specielleren Fragen von der Entstehungder Welt und der Organismen übergehen, müssen wir noch einenPunkt der metaphysischen Atomenlehre hervorheben, welcher für dieBeurtheilung des Materialismus von Wichtigkeit ist. Büchners Augusthat das, was wir brauchen, am schärfsten ausgesprochen. „Nichtweil sie Widersprüche in ihr entdeckt hat, widersetzt sich die spe-kulative Philosophie der Atomistik, sondern weil sie das Bewusstseinhat, dass mit dieser Lehre ihr bisheriger Lebensnerv zerschnittenwird. Die spekulative Philosophie ist die Erklärung desTheiles aus dem Ganzen, die Atomistik hingegen die Er-klärung des Ganzen aus den Theilen.“

Der hier bezeiclmete Gegensatz ist allerdings von durchgreifen-der Wichtigkeit, obwohl wir nicht glauben, dass Trendelen bürgsich vor der Vernichtung sehr fürchten wird, welche hier seinemLieblingsgedanken angedroht wird. Die antike Atomistik stand aller-dings in einem so schroffen Gegensatz gegen die aristotelische Welt-anschauung, dass sie diese möchte überwunden haben, wenn siedie Naturwissenschaften entschieden auf ihrer Seite gehabt hätte.Heutzutage ist letzteres der Fall; allein der Gegensatz ist nicht mehrder alte. Eben wegen der Rolle, welche gegenwärtig Kräfte undGesetze spielen, statt des einfachen Stosses der bewegten Atome De-mokrits, kann jetzt auch der Atomistiker eher vom Ganzen ausgehen.Ein Beispiel giebt uns' Fechner, indem er ausführt, dass die Kraftfür den Physiker nichts ist, als ein Hülfsausdruck zur Darstellungder Gesetze.

„Man sagt, es muss doch ein Grund sein, dass sich Sonne undErde nach einander hin bewegen. Dieser Grund ist eben nichts alsdas Gesetz . . . Anstatt, dass also die physische Kraft in den Kör-pern besonders sitze und von dem einen auf den andern hinüberwirke,statt dass sie an Orten wirke, wo sie nicht ist, statt dass sie ineinem Körper latent sein könne, um erst bei Zutritt eines andernKörpers wirksam zu werden, . . . kommt Alles, was man von ihraussagen mag, faktisch wie klar begrifflich auf ein allgegenwär-tiges Gesetz und dessen Befolgung zurück . . . Sitzt die Kraftirgendwo, so sitzt sie nur im Gesetze . . . Wie ein Thurm steht, wieein Weltkörper geht, ist seine Sache nur, sofern es des allgemeinen