378
Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.
coustant betrachten, weil wir wissen, dass wir sie nach bestimm-ten Gesetzen immer wieder hervorrufen können. Man löseuns erst das Räthsel des Parallelogramms der Kräfte, wenn wir andas beharrliche Ding glauben sollen. Oder ist eine Kraft, welchemit der Intensität x in der Richtung a—b wirkt, auch zuverlässigdasselbe Ding, wenn ihre. Wirkung sich mit einer andern Kraft zueiner Resultirenden von der Intensität y und der Richtung a—d ver-schmolzen hat? Ja wohl, die ursprüngliche Kraft ist noch in derResultirenden erhalten, und sie erhält sich fort und fort, wenn imewigen Wirbel mechanischer Wechselwirkung die ursprüngliche In-tensität x und die Richtung a—b auch nie wieder zum Vorscheinkommen. Aus der Resultirenden kann ich die ursprüngliche Kraftgleichsam wieder herausnehmen, wenn ich die zweite componirendeKraft durch eine gleich grosse von entgegengesetzter Richtung auf-hebe. Hier weiss ich also ganz genau, was ich unter Erhaltung derKraft verstehen darf, und was nicht. Ich weiss, und ich musswissen, dass der Begriff der Erhaltung nur eine bequeme Vorstel-lungsweise ist. Es erhält sich Alles und es erhält sich Nichts, jenachdem ich die Vorgänge betrachte. Das Thatsächliche liegt einzigund allein in den Aequivalenten der Kraft, welche ich durchRechnung und Beobachtung erhalte. Die Aequivalente sind, wie wirgesehen haben, auch das einzig Thatsächliche in der Chemie; siewerden ausgedrückt, gefunden, berechnet durch Gewichte, d. h.durch Kräfte.
Die „Unsterblichkeit des Stoffs“ ist sonach nur ein Specialfallder Erhaltung der Kraft.
Unsre neueren Materialisten befassen sich nicht gern mit demGesetz der Erhaltung der Kraft.
Es kommt von einer Seite her, auf welche sie ihre Aufmerk-samkeit wenig gerichtet haben. Obwohl das deutsche Publikum beimAusbruch des materialistischen Streites schon seit einer Reihe vonJahren mit dieser bedeutungsvollen Theorie bekannt geworden war,findet man sie in den wichtigsten Streitschriften kaum mit einer Silbeerwähnt. Der Umstand, dass Büchner späterhin das Gesetz derErhaltung der Kraft mit Wärme aufgriif und ihm in der fünften Auf-lage der Schrift über Kraft und Stoff ein besonderes Kapitel widmete,legt nur ein neues Zeugniss ab für die gährende Vielseitigkeit diesesSchriftstellers; allein man wird vergeblich auch bei ihm völlige Klar-heit suchen über die Tragweite dieses Gesetzes und über sein Ver-