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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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379
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Die neueren Naturwissenschaften.

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hältniss zur Lehre von der Unsterblichkeit des Stoffes. Den dogma-tischen Materialisten, die übrigens in unserer Zeit überall und nirgendssind, wird durch die Lehre von der Erhaltung der Kraft der Bodenunter den Füssen weggezogen.-

Das Wahre des Materialismus — die Ausschliessung des Wun-derbaren und Willkürlichen aus der Natur der Dinge — wird durchdies Gesetz in einer höheren und allgemeineren Weise bewiesen, alssie es von ihrem Standpunkte aus vermögen; das Unwahre dieErhebung des Stoffs zum Princip alles Seienden — wird durch das-selbe vollständig und, wie es scheinen will, definitiv beseitigt.

Es ist daher nicht zu verwundern, obwohl auch nicht vollständigzu billigen, wenn einer der vorzüglichsten Bearbeiter der Lehre vonder Erhaltung der Kraft wieder fast auf den aristotelischen Begriffvon der Materie zurückkehrt. Helmholtz sagt in seiner Abhandlung(1847) über die Erhaltung der Kraft wörtlich Folgendes:

„Die Wissenschaft betrachtet die Gegenstände der Aussenweltnach zweierlei Abstraktionen: einmal ihrem blossen Dasein nach,abgesehen von ihren Wirkungen auf andre Gegenstände oder unsreSinnesorgane; als solche bezeichnet sie dieselben als Materie. DasDasein der Materie an sich ist uns also ein ruhiges, wirkungsloses;wir unterscheiden an ihr die räumliche Vertheilung und die Quantität(Masse), welche als ewig unveränderlich gesetzt wird. QualitativeUnterschiede dürfen wir der Materie an sich nicht zu-schreiben, denn wenn wir von verschiedenartigen Mate-rien sprechen, so setzen wir ihre Verschiedenheit immernur in die Verschiedenheit ihrer Wirkungen, d. h. in ihreKräfte. Die Materie an sich kann deshalb auch keine andre Ver-änderung eingehen, als eine räumliche, d. h. Bewegung. Die Gegen-stände der Natur sind aber nicht wirkungslos, ja wir kommenüberhaupt zu ihrer Kenntniss nur durch ihre. Wirkungen,welche von ihnen aus auf unsre Sinnesorgane erfolgen, indem wiraus diesen Wirkungen auf ein Wirkendes schliessen. Wennwir also den Begriff der Materie in der Wirklichkeit anwenden wollen,so dürfen wir dies nur, indem wir durch eine zweite Abstrak-tion“ (richtiger durch eine notliwendige Dichtung, eine mit psychi-schem Zwang eintretende Personifikation) „demselben wiederum hin-zufügen, wovon wir vorher abstrahiren wollten, nämlich das VermögenWirkungen auszuüben, d. h. indem wir derselben Kräfte zuertheilen.Es ist einleuchtend, dass die Begriffe von Materie und Kraft in der