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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.
keiten hinzu weisen, eben um zu verhüten, dass eine Ansicht,welcher nur eine eingeschränkte 'Wahrscheinlichkeit zukommt, durchdas Argument der Kurzsichtigkeit: „man kann es sich nicht andersdenken“ zum anerkannten Lehrsatz erhoben werde.
Zu einer zweckmässigen Erweiterung des Gesichtskreises für diekosmogonischen Fragen ist aber ein andrer Gesichtspunkt noch un-gleich wichtiger. Es ist die Frage nach der logischen Bedeutungder Annahme sehr grosser Zeiträume in den Erklärungsversuchen.Hier ist ein Punkt, dessen aufmerksame Betrachtung auch in andrerHinsicht das höchste Interesse erregt. Wir haben bereits im vorigenAbschnitte gesehen, wie leicht auch geübte Denker in eine ungerecht-fertigte Scheu vor grossen Zahlen verfallen. Das methodische Prin-cip der Sparsamkeit in solchen Annahmen erweist sich für eineunbefangene logische Prüfung so offenbar als das Gegentheil desRichtigen, dass mau sich, wenn man die Sache erst wirklich ver-standen hat, mit Verwunderung fragt, wie man überhaupt zu einemso unsinnigen Princip habe kommen können. Die Antwort ist aberklar genug; mag sich der Stolz des aufgeklärten Forschers auchnoch so sehr dagegen sträuben. Es sind die sechstausend Jahreder Bibel; es sind überhaupt die beschränkten Vorstellungen ausunsrer eignen Kindheit und aus der Kindheit der Menschheit, vondenen wir uns in unwillkürlicher Scheu nicht gern weiter entfernenmöchten, als irgend nöthig ist. Und doch ist es vom Standpunktdes Glaubens, der übrigens bei den Meisten dabei nicht so sehr inFrage kommt, wie die Gewohnheit, ganz gleichgültig, ob von demMaasse, welches er feststellt, um Tausende oder um Billionen abge-wichen wird, da jede entschiedne Abweichung in völlig gleicher Weisedas Princip umwirft. Für die Wissenschaft anderseits sind jene über-lieferten Zahlen ohne irgend eine Bedeutung. Da nun ferner durch-aus kein Grund vorhanden ist, der uns hinsichtlich der Dauer derWelt oder der Erde a priori bestimmen könnte, eher diese Zahl an-zunehmen als jene, so wird die wahrscheinlichste Zahl, so lange dasGegentheil nicht bewiesen wird, immer eine unendlich grosse sein.'Denn nehme man irgend ein sicheres Minimum an, welches die Zahlm bezeichnen soll, so wird jede beliebige grössere Zahl als m apriori gleich wahrscheinlich sein. Der Durchschnitt dieser unendlichenIU I 00
Reihe, —^-, ist immer eine unendliche Zahl. Man wird daher,
der üblichen Weise schnurstracks entgegen, bei allen Fragen dieser