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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die neueren Naturwissenschaften.

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besser scheint, sein System völlig abzuschliessen, während das Fun-dament selbst den stärksten Erschütterungen ausgesetzt bleibt; odersich ein für allemal eine willkürliche Schranke des Wissens undMeinens zu setzen, jenseit welcher mau alle Fragen offen lässt. Soweit wir anschaulich (nicht bloss in abstrakter Logik!) denkenkönnen; so weit wir uns für das Menschengeschlecht als für unsregrosse gemeinsame Familie iuteressiren können; so weit wir rück-wärts unsre Forschungen ausdehnen können: erscheint uns dieWelt als ein in stetiger Bewegung harmonisch sich erhaltendes Ganze.Diese Welt unsrer Vorstellungen, unsrer Interessen, unsrer Forschun-gen, ist unsre gegebene Welt. Begnüge dich mit derselben! NichtsAbsolutes können wir uns vorstellen. Wir wollen der Logik nichtwidersprechen; aber ihre nothweudigen Begriffe sind uns nur Hülfs-mittel zur schliesslichen Erkenntniss des Anschaulichen, das uns alleininteressh't; wie wir in der Mathematik uns den Begriff der unend-lichen Tangente gefallen lassen, weil die Mathematik uns als Ganzeszur Erforschung des Endlichen dient. Die ganze gegebene Welt isteine Welt der Relationen. Wir bedürfen auch nur ein relativDauerndes, um alle Veränderungen daran zu messen. Von einemabsolut Unveränderlichen auszugehen, ist uns nicht nur überflüssig,sondern sogar störend, da es einen falschen, dogmatischen Tropfenin unsre Weltanschauung bringt. Wir sind froh, dass wir das -TtQÜtormt'ovt' ay.ii'ifiov des alten Aristoteles los sind; sollen wir uns nun miteinem neuen derartigen Gespenst, mit dem ewig gleichgestellten Uhr-werk des Weltalls quälen?

Der gemeine populäre Dogmatismus wird sich auch bei derewig unveränderlichen Welt nicht beruhigen; er will seinen Anfanghaben, seinen Schöpfer. Erhebt man sich einmal über diesen Stand-punkt; sucht man den Ruhepunkt der Seele im Gegebenen, so wirdman sich auch leicht dazu bringen, ihn nicht in der ewigen Dauer desmateriellen Zustandes zu finden, sondern in der Ewigkeit der Naturge-setze, und in einer solchen Dauer des Bestehenden, welche uns denGedanken seines Untergangs in eine hinlängliche Ferne rückt. Diearchitektonische Neigung der Vernunft wird sich aber zufrieden ge-ben, wenn man ihr den Reiz einer Weltanschauung enthüllt, die keinesinnliche Stütze mehr hat, die aber auch keiner bedarf, weil allesAbsolute beseitigt ist. Sie wird sich erinnern, dass diese ganze Weltder Verhältnisse durch die Natur unsres Erkenntnissvermögens be-dingt ist. Und wenn wir dann auch -immer wieder darauf zurück-