Die neueren Naturwissenschaften.
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nur für sehr natürlich halten. Wer sogar in den Metallen Geistererblickte und in ihrer Mischung einen Gährungsprocess sah, derkonnte im Entstehen des Lebenden keine besondere Schwierigkeitfinden. Man glaubte zwar im Allgemeinen an die Unveränderlich-keit der Arten — ein Dogma, welches direkt aus der Arche Noahstammt; aber man nahm es auch mit der Entstehung neuer Wesennicht eben genau, und namentlich die niederen Tliiere liess manin weitester Ausdehnung sich aus unorganischer Materie entwickeln.Beide Glaubensartikel haben sich bis heute erhalten; der eine mehrunter den Professoren, der andre unter Bauern und Fuhrleuten. Jeneglauben an die Unveränderlichkeit der Arten und suchen vielleichtzwanzig Jahre lang sich aus dem Gebiss der Schnecken ein Zeugnissfür ihren Glauben zu bereiten; diese finden immer wieder durch ihreErfahrung bestätigt, dass aus Sägemehl und andern IngredienzenFlöhe entstehen. Die Wissenschaft ist auf diesem Gebiete späterals auf andern dazu gekommen, die Glaubensartikel zu Hypothesenherabzusetzen und den breiten Strom der Meinungen durch einigeExperimente und Beobachtungen einzudämmeu.
Gleich die Frage, die uns zuerst entgegen tritt, ist noch heuteGegenstand eines erbitterten Streites; die Frage der Urzeugung(generatio aequivoca). Carl Vogt hat uns einen launigen Berichtdarüber gegeben, wie in Paris der wissenschaftliche Kampf zwischenPasteur und seinen verbündeten Gegnern Pouchet, Joly und Müssetmit der Erbitterung von Theologen und mit einem dramatischenEffekt geführt wird, welcher an die Magister-Promotionen des fünf-zehnten Jahrhunderts erinnert. Auf Pasteurs Seite steht die Akademieund die Ultramontanen. Die Möglichkeit der Urzeugung zu bestreitengilt als conservativ. Die alten Autoritäten der Wissenschaft wareneinmüthig der Ansicht, es lasse sich ohne Ei oder Samen nun undnimmer ein organisches Wesen hervorbringen. Omne vivum ex ovoist ein wissenschaftlicher Glaubensartikel. Warum aber stehen dieOrthodoxen auf dieser Seite? Etwa nur, um das absolut Unerklärtehinzustellen, um zum Tort des Verstandes und der Sinnlichkeit aneiner rein mystischen Schöpfung festzuhalten? — Die ältere Orthodoxienahm nach Anleitung des heiligen Augustinus einen ganz andernStandpunkt ein; gewissermassen einen mittleren. Man verschmähtees durchaus nicht, sich die Dinge so anschaulich als möglich vor-zustellen. Augustinus lehrte, dass von Anbeginn der Welt zweierleiSamen der lebenden Wesen bestanden hätten: der sichtbare, welchen