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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.

naturphilosophischen Weltanschauung gethan, welche Verstand undGernüth in gleicher Weise zu befriedigen vermag, indem sie sich aufdie feste Basis der Thatsachen gründet, und in grossartigen Zügendie Einheit der Welt darstellt, ohne mit den Einzelheiten in Wider-spruch zu gerathen. Seine Darstellung der Entstehung der Artenfordert aber als naturwissenschaftliche Hypothese auch das Experi-ment zu ihrer Bestätigung, und Darwin wird Grosses geleistet haben,wenn es ihm gelingt, den Geist methodischer Forschung auf ein Ge-biet zu rufen, welches ihm den reichsten Lohn verspricht, indem esfreilich auch die grösste Aufopferung und Ausdauer erfordert. Mancheder hierher gehörigen Experimente mögen die Kräfte, ja die Dauerder Wirksamkeit des einzelnen Forschers übersteigen und erst spätereGenerationen werden die Früchte dessen erndten, was die Gegenwartanbahnen muss. Grade darin aber wird sich ein neuer Fortschrittzu grossartigef Auffassung der Aufgabe der Wissenschaft kund thun,und an der richtigen Erfassung dieser Aufgabe muss das Gefühl fürdie Zusammengehörigkeit der Menschheit, für die Gemeinsamkeit ihrerkühnen Ziele erstarken.

Was Darwins Theorie zu einer solchen Wirkung auf die For-schung befähigt, ist nicht nur die einfache Klarheit und befriedigendeRundung des Grundgedankens, der in den Erfahrungen und metho-dischen Anforderungen der Gegenwart schon vorbereitet lag, und sichleicht aus der gelegentlichen Combination verschiedner Zeitgedankenergeben musste. Ungleich höheres Verdienst liegt ohne Zweifel schonin der ausdauernden Verfolgung eines Gegenstandes, der bereits imJahre 1837 den von einer wissenschaftlichen Seefahrt heimkehrendenNaturforscher mächtig ergriff, und dem er seitdem sein Leben wid-mete. Das reiche Material, welches Darwin gesammelt hat, istgrösstentheils noch rückständig, die genaueren Belege für seine An-gaben fehlen noch, und ein späteres, grösseres Werk wird uns hof-fentlich die Riesenarbeit des ausgezeichneten Mannes in ihrem vollenUmfange vorführen. Viele wollen bis zum Erscheinen dieses Materialsihr Urtheil über Darwins Theorie aussetzen, und es ist gegen solcheVoVsiclit nichts einzuwenden, da allerdings auch in dieser Arbeitmenschlichen Fleisses und Scharfsinns die Kritik viel zu thun habenwird, bis das Bleibende vom Vergänglichen und Subjektiven geson-dert ist. Es ist aber wohl zu beachten, dass eine genügende Be-währung der eminenten Hypothese doch in keinem Falle von diesemMaterial allein abhängen kann, sondern dass die selbständige Thätig-