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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die neueren Naturwissenschaften.

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der Natur so einstimmig, dass keine Weltansiclit mehr zulässig ist,welche diesen Thatsachen und ihrer nothwendigen Deutung wider-spricht.

Wenn ein Mensch, um einen Hasen zu schiessen, Millionen Ge-wehrläufe auf einer grossen Haide nach allen beliebigen Richtungenabfeuerte; wenn er, um in ein verschlossenes Zimmer zu kommen,sich zehntausend beliebige Schlüssel kaufte und alle versuchte; wenner, um ein Haus zu haben, eine Stadt baute, und die überflüssigenHäuser dem Wind und Wetter überliesse: so würde wohl Niemanddergleichen zweckmässig nennen und noch viel weniger würde manirgend eine höhere Weisheit, verborgene Gründe und überlegene Klug-heit hinter diesem Verfahren vermutlien. Wer aber in den neuerenNaturwissenschaften Kenntniss nehmen will von den Gesetzen der Er-haltung und Fortpflanzung der Arten — selbst solcher Arten, derenZweck wir überhaupt nicht einsehen, wie z. B. der Eingeweidewürmer,der wird allenthalben eine ungeheui-e Vergeudung von Lebenskeimenfinden. Vom Blüthenstaub der Pflanzen zum befruchteten Samenkorn,vom Samenkorn zur keimenden Pflanze, von dieser bis zu der voll-wüchsigen, welche wieder Samen trägt, sehen -wir stets den Mecha-nismus wiederkehren, welcher auf dem Wege der tausendfältigenErzeugung für den sofortigen Untergang und des zufälligen Zusam-mentreffens der günstigen Bedingungen das Leben soweit erhält, alswir es in dem Bestehenden erhalten sehen. Der Untergang der Le-benskeime, das Fehlschlagen des Begonnenen ist die Regel; die „na-turgemässe“ Entwicklung ist ein Specialfall unter Tausenden; es istdie Ausnahme, und diese Ausnahme schafft jene Natur, deren zweck-mässige Selbsterhaltung der Teleologe kurzsichtig bewundert. „Wirsehen das Antlitz der Natur“,-sagt Darwin, „strahlend von Heiterkeit;wir sehn oft Ueberfluss von Nahrung; aber wir sehen nicht, oderwir vergessen es, dass die Vögel, welche ringsum so sorglos singen,meist von Insekten oder Samen leben, und so beständig Leben zer-stören; oder wir vergessen, wie stark diese Sänger, oder ihre Eier,oder ihre Jungen von Raubvögeln und andern Thieren vertilgt werden;wir halten nicht im Sinne, dass das Futter, welches jetzt im Ueber-fluss vorhanden ist, zu andern Zeiten jedes wiederkehrenden Jahresmangelt.“ Der Wettbewerb um das Fleckchen Landes, Glück oderUnglück in der Verfolgung und Vertilgung fremden Lebens bestimmtdie Ausdehnung der Pflanzen und Thierarten. Millionen von Samen-thierehen, Eiern, jungen Geschöpfen schwanken zwischen Leben und

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