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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.
Tod, damit einzelne Individuen sich entfalten. Die menschliche Ver-nunft kennt kein anderes Ideal, als die möglichste Erhaltung undVervollkommnung des Lebens, welches einmal begonnen hat, ver-bunden mit der Einschränkung von Geburt und Tod. Der Natursind üppige Zeugung und schmerzvoller Untergang nur zwei ent-gegengesetzt wirkende Kräfte, die ihr Gleichgewicht suchen. — Hatdoch die Volkswirtschaft selbst für die „civilisirte“ Welt dastraurige Gesetz enthüllt, dass Elend und Nahrungsmangel die gros-sen Regulatoren des Bevölkerungszuwachses sind. Ja selbst auf gei-stigem Gebiete scheint es die Methode der Natur zu sein, dass sietausend gleich begabte und strebende Geister der Verkümmerung undVerzweiflung entgegenwirft, um ein einziges Genie zu bilden, welchesseine Entfaltung der Gunst der Verhältnisse dankt. Das Mitleid,die schönste Bltithe der irdischen Organismen, bricht nur auf verein-zelten Punkten hervor und ist selbst für das Leben der Menschheitmehr ein Ideal als eine der gewöhnlichen Triebfedern.
Was wir in der Entfaltung der Arten Zufall nennen, ist natür-lich kein Zufall im Sinn der allgemeinen Naturgesetze,, deren gros-ses Getriebe all jene Wirkungen hervorruft; es ist aber im strengstenSinne des Wortes Zufall, wenn wir diesen Ausdruck im Gegensatzzu den Folgen einer menschenähnlich berechnenden Intelli-genz betrachten; wo wir aber in den Organen der Thiere und Pflan-zen Zweckmässiges finden, da dürfen wir annehmen, dass in demewigen Mord des Schwachen zahllose minder zweckmässige Formenvertilgt wurden, so dass auch hier das, was sich erhält, nur dergünstige Specialfall in dem Ocean von Geburt und Untergang ist.Das wäre denn nun in der That ein Stück der viel geschmähtenWeltanschauung des Empedokles, bestätigt durch das endlose Ma-terial, welches allein die letzten Decennien der exakten Forschungans Licht gefördert haben.
Und doch hat die Sache ihre Kehrseite. Ist es ganz wahr, wieder Recensent Radenhausens meint, dass an die Stelle der wunder-bar wirkenden Causalität nur die „Möglichkeit“ glücklicher Zufälletritt? Was wir sehen, ist nicht Möglichkeit, sondern Wirklichkeit.Der einzelne Fall ist uns nur „möglich“, er ist uns „zufällig“,weil er durch das Getriebe von Naturgesetzen geordnet wird, die inunsrer menschlichen Auffassung nichts mit dieser speciellen Folgeihres Ineinandergreifens zu schaffen haben. Im grossen Ganzen aberkönnen wir die Notlnvendigkeit erkennen. Unter den zahllosen