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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die neueren Naturwissenschaften.

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Fällen müssen sich auch die günstigen finden; denn sie sindwirklich da und alles Wirkliche ist durch die ewi'gen Gesetze desUniversums hervorgerufen. In der Tliat ist damit nicht sowohl jedeTeleologie beseitigt, als vielmehr ein Einblick in das objektive Wesender Zweckmässigkeit der Erscheinungswelt gewonnen. Wir sehendeutlich, dass diese Zweckmässigkeit im Einzelnen nicht die mensch-liche ist, ja, dass sie auch, so weit wir die Mittel bereits erkannthaben, nicht etwa durch höhere Weisheit hergestellt wird, sonderndurch Mittel, welche ihrem logischen Gehalt nach entschiedenund klar die niedrigsten sind, welche wir kennen. DieseYVertlischätzung selbst ist aber wieder nur auf die menschliche Naturbegründet, und so bleibt der metaphysischen, der religiösen Auffas-sung der Dinge, welche in ihren Dichtungen diese Schranken über-schreitet, immer wieder ein Spielraum zur Herstellung der Teleologie,die aus der Naturforschung und aus der kritischen Naturphilosophieeinfach und definitiv zurückzuweisen ist.

Das Studium der niederen Thierwelt, welches in den letzten De-cennien, besonders seit Steeustrups Entdeckungen über den Gene-rationswechsel gewaltige Fortschritte gemacht hat, beseitigt übri-gens nicht nur den alten Artbegriff, sondern es wirft auch merkwür-diges Licht auf eine ganz andre Frage, die für die Geschichte desMaterialismus von höchstem Interesse ist: auf die Frage nach demWesen des organischen Individuums. In Verbindung mit derZellentheorie beginnen auch hier die neueren Entdeckungen einenso tiefgreifenden Einfluss auf unsre naturwissenschaftlichen und phi-losophischen Anschauungen auszuüben, dass es scheint, als würdendie uralten Fragen des Daseins jetzt zum ersten mal in deutlicherForm an den Forscher und Denker gerichtet. Wir haben gesehn,wie der alte Materialismus dadurch in das Gebiet des absolut Wider-sinnigen geräth, dass er die Atome als das allein Existirende betrach-tet, die doch nicht Träger einer höheren Einheit sein können, weilausser Druck und Stoss keine Berührung zwischen ihnen vorkommt.Wir haben aber auch gesehn, dass grade dieser Widerspruch vonVielheit und Einheit dem menschlichen Denken überhaupt eigen ist,und dass er nur in der Atomistik am klarsten hervortritt. Die ein-zige Kettung besteht auch hier darin, dass der Gegensatz von Viel-heit und Einheit als eine Folge unsrer Organisation gefasst wird,dass man annimmt, er sei in der Welt der Dinge an sich auf irgendeine uns unbekannte Weise gelöst oder vielmehr gar nicht vorhanden.