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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die neueren Naturwissenschaften.

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im Ganzen aber lässt sich das Unternehmen als gelungen betrachten,den lebenden Menschen, wie er uns äusserlich gegeben ist, gleichallen organischen und unorganischen Körpern als ein Produkt derin der ganzen Natur waltenden Kräfte darzustellen. Ein äusserstwichtiges Gebiet, die Physiologie der Sinnesorgane hat dage-gen entscheidende Gründe für die Beseitigung des Materialismus er-geben, ist jedoch bisher wenig in die Debatte gezogen worden, weildie Gegner des Materialismus theils diese Art der Widerlegung fürihre Zwecke nicht brauchen können, theils aber der nöthigen Kennt-nisse entbehren. Unterdessen hat man auch versucht, die Psycho-logie einer naturwissenschaftlichen, und sogar einer mathematisch-mechanischen Behandlungsweise zu unterwerfen. In der Psycho-physik und in der Moralstatistik sind Wissenschaften aufgestelltworden, welche dies Bestreben zu unterstützen scheinen. Da manden materialistischen Streit in neuerer Zeit oft gradezu als einenKampf um die Seele bezeichnet hat, so werden wir auf alle dieseGebiete Rücksicht nehmen müssen.

Zunächst haben wir die Frage nach dem Ursprung und Alterdes Menschengeschlechtes kurz zu berühren, die grade in denletzten Jahren zu den lebhaftesten Erörterungen Veranlassung gegebenhat. Es ist leicht zu übersehen, dass die Beantwortung dieser Fragesich bisher fast nur nach vorgefassten Meinungen gerichtet hat. Dasweitschichtige Material, welches zum Theil in gelehrten und bände-reiehen Werken niedergelegt ist, erweckt grösstentheils wenig Zu-trauen; ja, man sieht leicht, dass oft die Studien von vornhereinunternommen wurden, um für einen Lieblingsgedanken Argumente zusammeln. Am schlimmsten ist es bestellt mit der Frage nach derEinheit des Menschengeschlechtes und nach dem Verhältnissdes Menschen zu der nächsten Gattung des Thierreiches, zu denAffen. In diesen Punkten ist der Streit, trotz aller zusammenge-tragenen Gründe und Gegengründe, fast auf demselben Fleck geblie-ben, auf dem wir ihn im vorigen Jahrhundert fanden, was auch beider Voreiligkeit und Unklarheit der Fragestellung nicht anders zu er-warten war. Dagegen haben Geologie und Alterthumsforschunguns in neuester Zeit einige unschätzbare Thatsachen — gleichsamals ein Unterpfand künftiger bedeutender Entdeckungen — in dieHand gegeben, und nicht minder hat Darwins Theorie ein interes-santes Streiflicht auf das Gebiet dieser Fragen geworfen. Denkwür-dig sind die neueren Forschungen besonders durch die auffallende