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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.

Rassen dieser Länder eher kleiner als grösser gedacht werden muss.Das durch Dr. Fuhlrott bekannt gewordene Skelet aus dem Ne-anderthal lässt auf einen Mann von mittlerer Statur von ausseror-dentlich kräftigem Muskelbau schliessen. Leider sind an den meistenStellen, da -die Knochen durch Wasserströmungen fortgerollt und inHöhlen angeschwemmt wurden, keine vollständigen Skelete und na-mentlich keine wohlerhaltnen Schädel zu finden. Die beiden einzigenSchädel, welche genau bekannt und sicher der Diluviäl-Periode zuzu-zählen sind, der Schädel aus der Höhle von Engis bei Lüttich undder aus dem Neanderthale sind aber unter sich so verschieden,dass ein Schluss auf die Eigenschaften einer bestimmten diluvialenRasse dadurch ganz unmöglich wird. Die Annahme, dass der Engis-schädel einem intelligenten Weibe, der Neanderthaler Schädel einemmuskelstarken aber beschränkten Manne angehört habe, genügt nicht,diese Kluft auszufüllen. Es scheint vielmehr, dass,grosse Verschie-denheiten, nicht nur individueller Art, vielmehr wirkliche Stammes-unterschiede bis in die ältesten Zeiten zurückreichen. Der Neander-thaler Schädel, der affenähnlichste von allen, die wir kennen,spricht in Verbindung mit dem Bau der zugehörigen Knochen füreinen Zustand grosser Wildheit, in dem sich diese diluviale Rassebefunden haben muss; nichts destoweniger müssen wir den beson-nenen Erörterungen von Schaaffhansen und Fuhlrott beiptlichten,nach welchen kein Grund vorhanden ist, in dem Neanderthaler Men-schen gleichsam schon ein Wesen zu erblicken, welches zwischenMensch und Affe die Mitte hält. Mit ungeduldiger Hast greift mangern nach jedem neuen Funde, um ihn zur Vervollständigung jenerEntwicklungsreihe zii verwerthen, welche das Causalitätsgesetz unsresVerstandes fordert. Allein grade diese Hast ist noch ein Rest vonMisstrauen in die Sache des Verstandes; gleich als könnte sein Spielplötzlich wieder zu Gunsten des Dogmatismus verloren gelierf, wennnicht schleunigst positive Beweise für die Uebereinstimmung der Na-tur mit einer vernünftigen Vorstellungsweise herbeigeschafft würden.Je vollständiger man sich von allen dogmatischen Nebeln irgendwelcher Art befreit, desto gründlicher wird dieses Misstrauen ver-schwinden. Für Epikur war es noch das Wichtigste, nur zu zeigen,dass alle Dinge auf irgend eine begreifliche Weise entstanden seinkönnten. Diese principielle Begreiflichkeit alles Gegebenen steht jafür uns hinlänglich fest; einerlei ob man sie aus einer genügendenErfahrung ableitet, oder a priori deducirt. Wozu denn die Eile?