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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.
Vermehrung des Gehirnvohimens vor sich gellt, welche man mitdem intellectuellen Fortschritt in Verbindung bringt. Betrachtetman die Geschichte der menschlichen Cultur im Lichte der neuestenForschungen, so wird man hinsichtlich des Ganges der Errungen-schaften an die Linie einer Hyperbel erinnert, deren Ordinaten, dieCulturentwicklung darstellend, anfangs unendlich langsam ansteigenauf ungeheure Abscissen derZeit; dann schneller" und schneller, undendlich erfolgt in massigem Zeitraum ein ungeheurer Fortschritt. Wirbrauchen dies Bild, um einen Gedanken vollständig klar zu machen,der uns von Wichtigkeit scheint. Es ist nämlich mit der Entwick-lung der physischen und selbst der psychischen Eigenschaften derVölker ganz anders beschaffen. Hier scheint vielmehr der Fortschrittin der Begabung der Individuen und Nationen nur ein ganz lang-samer und allmähliger. Dies rührt wohl daher, dass der Mensch mitgleichen Fähigkeiten ein weit höheres Ziel erreicht, wenn er in einersehr geförderten Umgebung sich befindet, als wenn er unter den ro-hesten Ueberlieferungen aufwächst. Es scheint fast, als sei eine sehrmässige Begabung dazu ausreichend, um sich im Lauf einer etwazwanzigjährigen Kindheit und Jugend auch in die entwickeltsten Cul-turverhältnisse so weit hinein zu finden, dass man selbstthätig miteingreifen kann. Bedenkt man aber, dass in früheren Jahrhundertenmeist bloss Thatsachen und vereinzelte Erfahrungen oder Kunst-griffe überliefert wurden, während die Neuzeit auch Methoden über-liefert, mittelst welcher ganze Reihen von Entdeckungen und Erfin-dungen gewonnen werden, so sieht man den Grund des schnellenSteigens der heutigen Cultur leicht ein, ohne deshalb in der Gegen-wart einen plötzlichen Aufschwung der Menschheit zu einem höherengeistigen und leiblichen Dasein .erblicken zu müssen. Ja, wie dasIndividuum oft zu seinen bedeutendsten geistigen Schöpfungen erstin einem Alter gelangt, in welchem die Kräfte des Gehirns * bereitsin Abnahme sind, so ist es auch an sich nicht undenkbar, dass un-serm gegenwärtigen Aufschwung keineswegs jene elastische Jugend-kraft der Menschheit zu Grunde liegt, welche wir so gern annehmen.Wir sind weit entfernt, in dieser Beziehung irgend eine positive An-sicht hinzustellen, wozu Niemand das Zeug haben kann. Wir kön-nen aber das Thema der Entwicklung des Menschengeschlechtes nichtverlassen, ohne wenigstens zu zeigen, wie wenig das Dogma vondem stetigen Fortschritt der Menschheit objektiv begründet ist. Diekurze Spanne der Geschichte, die freilich noch nicht genug Fälle