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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Dia neueren Naturwissenschaften.

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am nächsten gekommen ist, die strengsten Forderungen der Wissen-schaft, die ihm sehr genau bekannt sind, mit der Wahrung unsrersittlichen und religiösen Ideen zu vereinigen. Snell glaubt nämlich,dass /las Menschliche in jenen früheren Thierformen, von denen unserGeschlecht abstamme, sich schon durch etwas Ergreifendes und Ahnungs-volles in Blick und Geberden müsse kundgegeben haben. DiesenSchritt kann die Logik nicht mit machen, obwohl wir noch jetztThiere sehen, denen jene Eigenschaften wirklich eigen sind. Wirdenken dabei nicht nur an einige melancholisch-sentimentale Affen-arten, sondern namentlich an die Robbe, deren eigenthtlmlich men-schenähnlicher Blick schon manchem Beschauer im vollsten Sinne desWortes ergreifend und rührend gewesen ist. Es mag sein, dass derSeehund namentlich für Metaphysik sehr befähigt ist und die Stamm-väter des Menschengeschlechtes in dieser Hinsicht sogar übertrifft;wir haben jedoch durchaus keinen Grund, ein frühes Hervortretenderjenigen Eigenschaften, welche uns vorzüglich edel und werthvollscheinen, mit den Bedingungen der Perfektibilität zu verwechseln.Diese können vielmehr für eine frühere Stufe grade so gut in einemUebermaass solcher Eigenschaften liegen, die uns auf unserm gegen-wärtigen Standpunkt widerwärtig und verabscheuungswürdig scheinenmüssen. Der erste Schritt zur höheren Entwicklung des Menschenist vermuthlich die Erlangung des Uebergewichtes über alle andernThiere gewesen, und es ist nicht wahrscheinlich, dass er sich hiezuwesentlich andrer Mittel bedient habe, als er noch jetzt zum Zweckder Herrschaft über seines Gleichen zu verwenden pflegt. Der Ge-danke der Abstammung vom Affen kann deshalb auch nicht aus psy-chologischen Gründen perhorrescirt werden. Er schliesst jedoch leichteine zu weit gehende Anerkennung des Darwinschen Entwicklungs-princips in sich. Die bleibende Bedeutung der Hypothese Darwinsliegt gewiss nicht in der Ableitung aller Formen aus einer einzigenUrform, sondern in dem Nachweis der aus dem Kampf um dasDasein sich ergebenden Hervorbildung vollkommenerer Formen ausminder vollkommenen. Wir glauben uns jedoch bei diesen der Er-fahrung gar zu fern liegenden Gebieten nicht länger aufhalten zudürfen, da wir jetzt die eigentlichen Kernfragen des Materialismusvor uns haben.

Gehirn und Seele: diese Worte bezeichnen das Lieblingsthemades neueren Materialismus; allein die Gegenwart hat es auf diesemGebiete nicht mehr so bequem, wie das vorige Jahrhundert. Der