Die neueren Naturwissenschaften.
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bewegen sich die heutigen Phrenologen auf dem Felde einer sterilenPolemik, statt den enormen Fortschritten der Wissenschaft auch nurvon ferne gerecht zu werden. Noch heute gilt, was JohannesMüller in seiner Physiologie sagte: „Was das Princip betrifft, soist gegen dessen Möglichkeit im Allgemeinen a priori nichts einzu-wenden; aber die Erfahrung zeigt, dass jene Organologie von Gaildurchaus keine erfahrungsmässige Basis hat, und die Ge-schichte der Kopfverletzungen spricht sogar gegen die Existenz beson-derer Provinzen des Gehirns für verschiedene geistige Thätigkeiten.“
Einige Beispiele mögen dies erläutern. Castle führt in seinerPhrenologie (S. 27) nach Spurzheim mehrere Fälle von Verlust be-trächtlicher Theile der Hirnmasse an, bei welchen die intellectuellenFähigkeiten angeblich keine Störung erlitten. Er beklagt sich da-rüber, dass in all diesen Fällen der Ort der Verwundung nicht gehö-rig angegeben sei. Hätten die erwähnten Verletzungen am Hinter-haupt stattgefunden, „so kann selbst ein Phrenologe ohne die ge-ringsten Schwierigkeiten es zugeben, dass die Denkkraft unbeein-trächtigt zu bleiben vermochte. 1 ' Der apologetische Standpunkt isthier schon unverkennbar. Man sollte denken, da doch die entgegen-gesetzte Möglichkeit gleich berechtigt war, hätte der Phrenologe suchenmüssen, solcher Fälle habhaft zu werden; man müsste vor allen Din-gen erwarten, dass er in einem Falle, der ihm selbst zur Beob-achtung kommt, ganz genau die verletzten Hirnorgane und den Gradihrer Verletzung zu constatiren suche, und dass er dann die Geistes-thätigkeiten des betreffenden Individuums als eine wahre instantiapraerogativa mit höchster Sorgfalt und Schärfe beobachte und cou-statire. Statt dessen ist Castle im Stande, uns in ahnungsloser Gemüths-ruhe wörtlich folgende Erzählung zum Besten zu geben:
„Ich selbst hatte Gelegenheit einen ähnlichen Fall zu beobachten.Einem Amerikaner war eine Quantität von Schroten in das Hinterhaupteingedrungen, "welche bewirkten, dass er einen Theil des Knochen-gehäuses und überdies noch, wie er selbst sich ausdrückte, mehrereStücke Hirn (several spoons full of brain) verlor. Man sagte, dassseine intellectuellen Fähigkeiten darunter nicht gelitten. Seiner eigenenAussage zufolge rührte derjenige Uebelstand, den er verspürte, vonden Nerven her. Sein Stand zwang ihn sehr häufig öffentlich zusprechen; er hatte aber auch die früher ihn bezeichnendeEnergie und Festigkeit verloren. Diese Thatsache ward alsein Beweis gegen die Phrenologen geltend gemacht (ein ebenso glaub-